kirche 21?

Der Titel dieses Posts – um das vorweg zu sagen – soll keine Anspielung auf die Initiative „Kirche 21“ sein, die ich gerne verfolge wahrnehme und noch gerner an ihr teilnehmen würde, wenn Berlin, Hannover und die anderen norddeutschen Städte nicht so weit weg wären…

Es gehört zu mir, dass ich mir immer wieder über das Thema Kirche Gedanken mache. Das liegt zwar auch an meinem Beruf, hat aber in meiner Vergangenheit weit vor Beginn meines Studiums ihre Wurzeln? Wie muss die Kirche im 21. Jahrhundert aussehen, um relevant zu sein für ihre Gesellschaft?

Dazu habe ich vor kurzem eine interessante Erfahrung gemacht: In vielen Predigten habe ich und werde ich immer wieder auf die Duplizität des Christseins hinweisen – meine Beziehung zu Gott, meine Erlösung (= Heil) in Jesus Christus einerseits; und andererseits die Konsequenzen, die sich daraus für mich und mein Handeln in der Welt ergeben. Manchmal habe ich den Eindruck, wir häufen als Christen immer mehr Wissen auf, werden geistlich-wissentlich immer fetter und allein dadurch schon unbeweglich. – Nun war ich mit guten Freunden vor kurzem im Urlaub. Sechs Familien, die sich über den Kindergarten kennengelernt haben. Ein buntes und schönes Miteinander – Leben wie in einer Kommune (= Gemeinschaft). Wo man kann, hilft man sich gerne, unterstützt sich – wenn der eine gerade für alle kocht, kümmert sich eben ein anderer um die Kinder. Gemeinschaft findet im ganz alltäglichen Leben statt. O.k. – Urlaub ist nicht der ganz normale Alltag. Aber ein kleiner Abgeschmack dessen, wie Alltag sein könnte, war es eben doch.

Und ich habe mich gefragt: Ist nicht genau diese Lebensform von Gemeinschaft das, was ich mir auch von der „Kirche 21“ erträume? Eine Gemeinschaft, die relevant für ihre (klitzekleine) Gesellschaft ist? Wo man sich hilft? Wo man sich gegenseitig entlastet? Wo man Zeit fürs Gespräch hat? Wo man offen und trotzdem unterschiedlicher Meinung sein kann und sich gerade deshalb beginnt, noch mehr zu schätzen? Wo Wertschätzung für die allerkleinsten Dinge stattfindet? Und all das (nota bene:) in einer überkonfessionellen Gemeinschaft (= Ökumene)? Ich könnte diese Reihe unendlich fortsetzen.

Mir fiel auf: Diese Gemeinschaftsform ist genau die, nach der ich mich sehen, wenn ich über „Kirche 21“ nachdenke. Mit einem Unterschied: Das von mir erlebte hatte einen Aspekt zu wenig: Der Gottesbezug, der Bezug zum Transzendenten fand kaum statt. Zumindest nach meinem Frömmigkeitsverständnis nicht. Das hat mir gefehlt. Und doch: Er fand statt in den Diskussionen, die bis tief in die Nacht gingen. Ich habe gelernt: Man muss nicht immer gleich beten, um das Gefühl von Gottesbezug zu haben. Gott war da! In der Gemeinschaft! Das ist alles.

Ich wünsche mir, dass sich dieses Verständnis in meinem direkten Umfeld mehr verbreitet.

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heal the world

Dieses Lied sollten wir alle nie vergessen, immer wieder singen und das darin Angesprochene versuchen, praktisch umzusetzen…

Mit der Welt für die Welt

Am vergangenen Samstag durfte ich im Rahmen der Landesverbandsratstagung des baptistischen Landesverbands Baden-Württemberg einen kleinen Workshop leiten zum Thema „Wie geht das – mit der Welt für die Welt“? Im Grunde war es nichts weiter als eine Nachlese meiner Erkenntnisse aus dem Projekt „Ringschule wirtschaftet“ im letzten Sommer. Dort hatte ich gelernt, dass man sich als Kirche auch dann gesellschaftsrelevant und im tiefsten Sinne missionarisch verhalten kann, wenn man verstanden hat, was die Bedeutung unseres Salz-und-Licht-Seins als Christen wirklich meint. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Gott sich eine unerträgliche Salzlake wünscht, die wenig attraktiv ist – gleichwohl möchte Gott natürlich, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Salz und Licht in und für unsere Gesellschaft zu sein, kann aber eben auch so aussehen, dass sich die Kirche im Miteinander der einzelnen Gesellschaftsfeldern an Aktionen wie etwa „Ringschule wirtschaftet“ beteiligt und dadurch Menschen Hoffnung schenkt, Perspektive vermittelt und ihnen wertschätzend Würde verleiht.

Im Workshop habe ich u.a. dargestellt, dass Gemeinden um die 100-Mitglieder-Marke teilweise gar nicht anders können als „mit der Welt für die Welt“ etwas zu tun – denn oftmals fehlen gerade kleinen Gemeinden ja die Man- und Woman-Power, größere Projekte zu verwirklichen – an Ideen freilich nicht! Und das ist gut so! Denn so sind sie genötigt, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit Leuten zu vernetzen, die dabei helfen können, die Ideen mit umzusetzen und eben nicht nur Idee bleiben lassen zu müssen.

Wer weiß: Vielleicht beginnen unsere Gemeinde dann ja auch irgendwann damit, numerisch zu wachsen. Allerdings ist bereits der qualitative Wachstumsschritt ein riesen Fortschritt. Am Ende waren von uns 100 Leutlen 40 an „Ringschule wirtschaftet“ beteiligt (ehrenamtlich oder als Gäste). Das macht Mut, auch die nächsten Projekte trotz eingeschränkter Möglichkeiten anzugehen – denn so eingschränkt sind die Möglichkeiten (wie sich zeigt) ja garnicht. 🙂

Tag der deutschen Einheit

Lieber Gott und Herr!
Setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.  Schenke uns und unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.  Bessere jene Beamte, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind, und lasse die, die rechtschaffen sind, auch Recht schaffen. Sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber wenn du es willst, noch nicht gleich.
(Gebet eines Pfarrers aus dem Jahre 1864)

„Nix wie enunner“ und der Bischof

In der letzten Woche fanden gleich zwei herausragende Ereignisse in Bad Kreuznach statt, die unterschiedlicher nicht sein konnten und doch in eigentümlicher Weise wieder auch irgendwie zusammenpaßten, betrachtet man sie beide nämlich vor dem Hintergrund der Ethik, die sich als Theorieunternehmen mit dem gemeinschaftlichen Handeln und insbesondere mit dessen Gelingen befaßt:

1. Zum einen war da der berühmte Kreuznacher Jahrmarkt, für den manch eingefleischtes „Kreuznacher Gässje“ (so nennt man hier den Eingeborenen schlechthin) Urlaub nimmt, richtig viel Kohle anspart, um diese dann los zu werden, und: von dem das Gässje so begeistert und überzeugt zu sein scheint als DEM größten, was es gibt, dass es für es nichts Größeres gibt – für einen Schwaben in der Diaspora, der mit dem Cannstatter Wasen aufgewachsen ist, freilich ein Witz an und für sich. 🙂

Egal: Meinen Töchtern hat es sichtlich gefallen und auch mir – wenn ich leider auch feststellen mußte, dass der Lärmpegel und die Hitze von über 30°C nicht mehr so ganz mein Fall sind. Aber normalerweise – also, wenn ich keine Kinder im Kleinkindalter hätte – würde ich ja auch erst „nix wie ennuner“ gehen, wenn die Sonne untergegangen ist…

2. Das zweite herausragende Ereignis war dann der Vortrag von Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber über „Freiheit und Verantwortung – Unternehmerisches Handeln in christlicher Perspektive“. Nach den üblichen Ehrungen (und übrigens vor einem unsäglichen und unerträglichen Schlusswort!) kam dieser vor einem erlesenen und mit Polit- und Wirtschaftsprominenz gut bestückten Publikum schnell zu Wort und und analysierte zunächst die Situation der Wirtschaftskrise derzeit, um dann Verantwortung und Freiheit bzw. „verantwortete Freiheit“ als die oberste Maxime allen wirtschaftsethischen Handelns darzustellen. Harmonie, Disziplin, Zusammenspiel und Demut seien die Schlagworte, mit denen ein vernünftiges Ethikkonzept einherzugehen habe.

Ein einem zweiten Schritt stellte Huber die Frage, was bzw. welche Werte den notwendigen Prozeß des Wandels tragen. Hier insitierte Bischof Huber insbesondere auf die Vorbildfunktion von Personen mit herausragender Verantwortung, sprich: Personen des öffentlichen Lebens wie Manager, Politiker, Führende in Wirtschaftsunternehmen aber auch Kirchen. Eine „klare ethische Grundhaltung gehört zur professionellen Grundausstattung“ dieser Vorbilder, so Huber. Und so sei die Bedeutung der 10 Gebote gerade in dieser Zeit neu hervorzuheben und stark zu machen.

In einem dritten Schritt entfaltete der Vortrag dann den Aspekt des „Vertrauen erneuern“. Vertrauen sei eben abhängig von der Vorbildfunktion der Personen des öffentlichen Lebens und steht und fällt mit dem jeweiligen Ausfüllen dieser Funktion. Der Aufbau von Vertrauen sei dabei wesentlich schwerer als derjenige von Kapital, weshalb Huber – Calvin zitierend – zu seinem Schlussfazit kommt: „Die weitaus klarste Regel ist also die: wir sollen von unserer Freiheit Gebrauch machen, wo es zur Auferbauung unseres Nächsten dienst; wenn es dem Nächsten aber nicht dazu dient, so sollen wir auf sie verzichten!“ (Inst. III, 19,12) – Das ist es, was Bischof Huber unter verantworteter Freiheit letztlich versteht. – Und hier schließt sich der Kreis wieder: Auferbauung des Nächsten durch den Gebrauch eigener Freiheit, das konnte man beim Bischof hören und auf der Pfingstwiese irgendwie auch ein bißchen erleben. 🙂

In memoriam – The King of Pop

Heile die Welt!
Mach aus ihr für dich und für mich
und das ganze Menschengeschlecht einen besseren Ort.
Menschen sterben! Deshalb: Wenn du etwas für das Leben übrig hast,
dann mach aus der Welt einen besseren Ort – für dich und für mich.

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Diese Woche: „Ringschule wirtschaftet“ und „Südwestival“

ENDLICH: Die Woche, in der „Ringschule wirtschaftet“ und das „Südwestival“ stattfinden, hat begonnen.

Ich bin schon sehr gespannt auf beide Veranstaltungen und erhole mich heute noch ein wenig – gewissermaßen die berühmte Ruhe vor dem Sturm. Von anderen Veranstaltungen wie BUJU oder Dive Deeper weiß ich ja schon, wie herrlich es ist, eine gut organisierte Veranstaltung in einem ebenso gut organisierten Netzwerk aus Mitarbeitern begleiten zu können. Die Spannung steigt, alle sind heiß und wollen es endlich durchziehen, freuen sich auf das, was sie erleben werden und vermutlich auch nicht so schnell vergessen.

Dankbar bin ich für so manchen Synergieeffekt, den wir erleben werden: So stellt uns die Gärtnerei Rehner nicht nur für „Ringschule wirtschaftet“ ihre Grünpflanzen zur Verfügung, sondern sie läßt sie auch zum Südwestival noch in der Halle. Das freut mich natürlich sehr. Aber auch andere Details könnte man hier nennen.

Also: Dann ruhe ich mal aus, damit ich genügend Kraft habe für das, was in den kommenden Tagen auf mich wartet. 🙂

Auferstehung und Leben

Der letzte Gottesdienst unserer Gottesdienstreihe über die sieben Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums steht kurz bevor. Diesmal dreht sich alles um die Aussage Jesu: Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Schon krass, was Jesus Maria und Marta hier wieder zumutet. Immerhin steht das Ich-bin-Wort inmitten der Erzählung vom Tod des von Jesus geliebten Freundes Lazarus, und Jesus bleibt erstmal noch zwei Tage da, wo er ist, als er die Nachricht erfährt. Aber vermutlich war das alles Absicht, weil Jesus durch sein Handeln schließlich Gott, den Vater verherrlichen wollte.

Tod und Auferstehung liegen eng beieinander. Und die Auferstehung ist im Grunde das Ziel allen Lebens – des Lebens Jesu zuallererst, aber auch unseres Lebens. Zwar findet sich das Ich-bin-Wort so zentral im Johannesevangelium, dass es zentraler kaum geht, und dennoch ist bei der Summierung aller anderen deutlich erkennbar, dass es bei Johannes immer um diese Frage nach dem Leben geht.

Ihr sucht das Leben? Bei MIR – bei JESUS – habt ihr es. Und damit bekommt dieses Leben eine doppelte Pointe: Einmal handelt es sich ganz klar um das Ewige Leben, das denen zugesprochen wird, die an Jesus glauben. Zum anderen aber handelt es sich – nun davon ausgehend – um das im Hier und Jetzt gelebte Leben von uns, das sich hoffentlich durch die Glaubensgewißheit affiziert zu einem Leben entwickelt, das demjenigen Lebensstil Jesu immer ähnlicher wird.

Interessant, bei diesen Gedanken die aktuelle Situation unserer Gemeinde mitzuerleben. Einige Jugendliche (o.k., teilweise sind es bis zu 30) sorgen auf unserem Gemeindegelände immer stärker für Unruhe, Müll und Zerstörung. Wie gehen wir damit um? Nun, die Ansätze sind konträrer, als man es sich wünschen mag: Die einen wollen einen Bauzaun errichten. Die anderen wollen sich mit den Leuten zusammensetzen und ihnen näher kommen, um sie und ihre Lebenssituation zu verstehen und vielleicht sogar zu helfen. Und zwischen beiden Seiten entbrennt just in dieser Zeit ein heftiger Streit.

Am Kreuz scheiden sich die Geister. Und ich frage am Ende rhetorisch: What would Jesus do? 😉

Ich empfehle mich und bleibe, dem Vorbild Jesu entsprechend, nun auch erstmal da, wo ich die nächsten Tage bin: In Italien.

Meine Stimme gegen Armut

„Armut zu überwinden, ist keine Geste der Barmherzigkeit. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit.“ Nelson Mandela

armut

Es macht mich sehr betroffen, so etwas zu lesen. Und es scheint noch schlimmer zu werden. Auch bei uns gibt es mittlerweile Tendenzen von Armut, die zum Himmel schreien. In Zeiten, wo es immer schwieriger wird, die eigenen Energiekosten noch decken zu können, wo Freunde aus meiner Gemeinde mir sagen, dass sie die nächste Gemeindefreizeit nicht mehr finanziert bekommen, wo überhaupt die Möglichkeit fehlt, noch irgendwas zurückzulegen – da frage ich mich: Was machen wir eigentlich miteinander? Was tun wir uns an?

Ich weiß noch nicht genau wie, aber ich finde, wir müssen konkrete Schritte beginnen zu gehen. Und gerade die Kirchen können hier meines Erachtens mit dem besten Vorbild vorangehen. Schließlich hat Jesus Christus selbst Verzicht geübt und alles aufgegeben, um den Ärmsten der Armen ein Gegenüber zu sein, ihnen zu helfen, ein offenes Ohr zu haben, Verständnis und Hilfe anzubieten.

Laßt uns gemeinsam Wege finden, vor unserer eigenen Haustüre damit anzufangen, dass solch ernüchternde Statistiken der Vergangenheit angehören. Bei den Menschen ist es vielleicht unmöglich – aber bei Gott ist kein Ding unmöglich! Daran möchte ich mich festhalten.