eine rumba mit elvis

Foto 1Als Pastor hat man viele Vorrechte. Eines davon: Man hat die Ehre, Geburtstagsbesuche bei Senioren machen zu dürfen. Bei lecker Kaffee und teils auch Kuchen ist es dann in der Tat eines der größten Geschenke, Einblick in ein langes Leben zu erhalten. Und manchmal macht man dabei ganz erstaunliche Entdeckungen. Kaum zu ahnen, wie so manch einer sein Leben geführt hat. Und einiges ahnt man am Ende bei ganz bestimmten Leuten überhaupt nicht.

Im aktuellen Fall outete sich der besuchte Jubilar als begeisterter Standard-Tänzer (eine Leidenschaft, die ich teile – und bei HP und Steffi in Bad Kreuznach kann man auch wirklich super Tanzen lernen! 🙂 ). Auf meine Anfrage hin zeigte er mir seine höchst beeindruckende Plattensammlung an 45-er Platten!! Staunend bat ich ihn darum, eine aufzulegen und hören zu dürfen.Foto 2

Es wurde eine Rumba (einer meiner Lieblingstänze). Melodie: „O sole mio“. Es sang für uns: Elvis Presley – It’s now or never (das verlinkte Video eher in der Chacha-Version).

Genuss und Kultur pur! High end! Ganz großes Kino – oder besser: ganz großer Ohrenschmaus! #dnkgtt

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wenn einer eine reise tut…

Auf längeren Autofahrten spielen wir mit unseren Kindern gerne das Spiel „Ich packe meinen Koffer…“. Erstaunlich, was uns da so alles einfällt und was wir mitzuschleppen bereit wären. Hochinteressant auch, wie sehr unsere Kinder in der Lage sind, sich diese langen Listen zu merken. Wenn wir „eine Reise tun“: Was haben wir da so alles im Gepäck? Welche Ziele peilen wir an? Wohin führt uns unser Weg? – Eine Bibelarbeit zum Thema „Reisen“ über 1. Mose 12,1f. und Lukas 10.

„Haben Sie noch »Last Minute«?“ – so lautete die Standardfrage der schon leicht genervten Passanten auf dem Reisemarkt am Stuttgarter Flughafen, wo ich als Student für einen Reiseveranstalter arbeitete. Dieselbe Frage an jedem Schalter – und überall in etwa dieselbe Antwort. Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen: In uns lebt eine starke Sehnsucht nach Weite, Abschalten, Sonne, Strand und Meer, Freiheit, Palmen, Erholungs- bzw. Aktivurlaub. Einmal im Jahr dem Alltag „entfliehen“, alles hinter uns lassen, eine gute Zeit mit der Familie, Essen, Schlafen, Lesen, uns um nichts kümmern.

Wie ein roter Faden zieht sich das Thema Reise(n) auch durch die Bibel – jedoch unter völlig anderen Bedingungen. Fast von der ersten Seite an lesen wir über reisende Menschen – teils dazu berufen, teils genötigt.

Adam und Eva verlassen das Paradies (vielleicht sehnen wir uns deshalb so sehr danach?). Noah macht die erste „Megakreuzfahrt“. Abraham, Jakob und seine Söhne und das Volk Israel unter Mose, Aaron und Josua bereisen riesige Gebiete. Die Königin von Saba will Salomos Herrlichkeit und Weisheit sehen. Weise aus dem Morgenland kommen bis nach Bethlehem. Jesus wandert durch Palästina. Paulus, Petrus & Co. schippern mehrfach übers Mittelmeerraum. Stets geht es um viel mehr als Urlaub.

„Geh, Abraham, geh, mach Dich auf den Weg, ich zeig Dir neues Land“, haben wir als Kinder in der Sonntagsschule geschmettert. Es fasziniert mich, welch weite Strecken Abraham zurückgelegt hat. Ursprünglich aus Ur (heutiger Irak) unternimmt er ausgehend von Haran (heutige Türkei?) den Zug nach Kanaan (mit einem Ausflug nach Ägypten). Vielleicht hatte er nie vor, so eine weite Reise zu machen. Er folgte dem Ruf Gottes, unterwirft sich dessen Willen und: empfängt Segen. Segen ist nötig auf unserer Lebensreise. Ein gutes Wort, das mit uns geht. Lebensdienliche Verhältnisse auf und am Ende unserer Reise. Ein irischer Reisesegen verleiht Gottes gutem Wunsch für uns Ausdruck: „Mögen sich die Wege vor Deinen Füßen ebnen. (…) Bis wir uns wiederseh’n, möge Gott, der Herr, seine schützende Hand über dich halten jeden Tag.“

Abraham hat diese Erfahrung auf seiner langen Reise immer wieder gemacht. Die Zusage gilt auch uns (sogar für den Urlaub): Segen – das Gute Gottes empfangen.

Ich denke an Menschen, die zur Zeit verstärkt zu uns „reisen“. Sie kommen aus Abrahams Heimat oder aus Afrika. Ihre Lebensbedingungen nötigen sie dazu. Tausende von Kilometern, Strapazen, Gefahren, Traumata, die Angst vor Entdeckung liegen hinter ihnen. Viel Geld nehmen sie in die Hand, um ihren neu gewonnenen Glauben (und) in Freiheit leben können. Sie riskieren ihr Leben, lassen Freunde und Verwandte zurück, nehmen Trennung in Kauf, vertrauen sich Schleusern an, überqueren in völlig überfüllten Kähnen das Mittelmeer, besitzen oft nur noch das nackte Leben und die Kleidung, die sie am Leib tragen.

Nehmen wir sie gastfreundlich und mit offenen Armen auf? Ich schreibe diesen Artikel in derjenigen Woche, in der es Christen in Wien mit viel Zivilcourage vorbildlich gelingt, die Abschiebung von Laila P. zu verhindern.

Wir erleben momentan vielleicht eine der größten Völkerwanderungen, die die Welt je gesehen hat? Was tun wir angesichts der Tatsache, dass unser Gott einer ist, der sich aufmacht zu den Menschen, der arm wird und ein Flüchtling ist auf Erden, der ein einladendes, gastfreundliches Wesen hat und uns aufruft, den Armen, Schwachen und Fremden zu helfen und sie aufzunehmen?

Was haben wir im Gepäck? Bücher, Kleider, Badehose, Schnorchel? Sorgen, Ängste, Nöte, Streit? Mangel-, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen? Kriegserlebnisse, Traumata, psychische Not? Oder eher: Erfolg, Reichtum, Macht, Glück, Sinn, Unabhängigkeit? – Und wo logieren wir, während andere ohne Gepäck im Asylantenheim unter teils widrigen Verhältnissen leben müssen und angesichts ihrer Abschiebung zittern?

Gott will, dass unsere Lebensreise für uns und andere zum Segen wird. Heimat, Erholung und Frieden sind für sie dann schon eher Attribute derjenigen Zukunftsperspektive unserer Lebensreise, wenn wir das Paradies erreicht haben. Die Reisenden der Bibel machen sich auf zu neuen Lebenshorizonten, in andere Wirklichkeitsräume. Sie begegnen unterschiedlichen Menschen, genießen Gastfreundschaft oder erleben Ablehnung, haben so einiges im Gepäck, erleben (oft im Rückblick) Gottes Segen.

Jesus begegnet dem reichen Zachäus, dem Gelähmten am Teich Bethesda oder dem blinden Bartimäus, den Schwestern Maria und Marta mit ihrem Bruder Lazarus, dem reichen Jüngling, der Frau am Jakobsbrunnen, Maria von Magdala und den Emmausjüngern nach Ostern. Und wird damit zum Vorbild! In Lukas 10 sendet er 70 Jünger als Fremde auf ihre Mission – abhängig von der Gastfreundschaft derer, auf die sie treffen. Beispiel und Vorbild auch für unser Verständnis von Reisen und Unterwegs-Sein: „Was Gott in der Welt tut, hat mehr damit zu tun, ein Fremder zu sein und Gastfreundschaft zu erleben, als die Kontrolle über Ressourcen und Antworten zu haben.“ (Alan Roxburgh) – Wir alle sind in unserem Leben Reisende, ein wanderndes Gottesvolk und haben hier keine bleibende Stadt (Hebr 13,14). Als seine Nachfolger lassen wir unser Gepäck zurück und werden bereit, Fremde und Heimatlose zu werden. Wir brauchen die Fürsorge des anderen. Auf dieser Reise eröffnen sich uns neue Wirklichkeitsräume und Welten, lebensdienliche Verhältnisse, in denen wir die Spuren von Gottes Wirken an uns und in der Welt erkennen und Heimat finden (vgl. Phil 3,20).

In diesem Sinne: Mach Dich auf den Weg! Mögen sich die Wege vor Deinen Füßen ebnen!

(Bibelarbeit erschienen in DIE GEMEINDE 14/2015 vom 12. Juli 2015)

weißwurstfrühstück

Weißwurstfrühstück

Mein Allgäuer Freund und ich planen schon seit langem ein Weißwurstfrühstück. Zunächst nur zu zweit angedacht – dann sollten es vier bis fünf werden – waren wir heute zu dritt. Eine schöne Runde.

Das Besondere: Hier fand heute Morgen Kirche statt! Gemeinschaft. Miteinander den Glauben teilen, über den Glauben reden, zusammen Gottes Wort lesen, bedenken, diskutieren, um die Wahrheit ringen, gemeinsam beten – nur gesungen haben wir nicht. 🙂 Und alles in einem schönen Setting: Mit Weißwurst, Süßem Senf, Laugenbrezel und (alkoholfreiem) Bier (das allerdings nicht aus Bayern war – vielleicht der einzige Schönheitsfehler – gestört hat’s uns aber nicht).

Wir fragten uns: Wie kann aus Gemeinde ein Ort werden, zu dem die Menschen zusammen kommen, um genau das zu tun, was Jesus getan hat? Nun, er hat Weißwurst, Brezel und Bier noch nicht gekannt (der Ärmste!). – Aber er verstand es vorbildlich, mit Menschen zusammenzukommen und an gedecktem Tisch mit ihnen ins Gespräch über das Leben, die Welt, Gott und den Glauben zu kommen. Meistens nicht ohne einen tiefen Eindruck bei den Besuchten zu hinterlassen, der ihr Leben veränderte und wegweisend prägte.

Das ist Gemeinde, die ich mir wünsche. Es muss nicht immer Weißwurst sein. Aber schon allein, sich an einem Tisch zu versammeln und Gemeinsames zu teilen, ist ein Anfang.

bunte gemeinde

Der Bundesrat in Kassel hat mit seinem Thema „Bunte Gemeinde – Staunen über Christus im anderen“ ein Thema aufgegriffen, dass uns alle noch lange beschäftigen wird – nicht nur als Jahresthema der kommenden zwei Jahre – sondern hoffentlich noch deutlich länger.

Danke an alle Organisatoren, Vordenker, Durchführenden, Mitarbeiter im Bund für diese inspirierenden Tage!

Dazu hier zwei Videos…

Gebetshaus Augsburg

Vor gut zwei Wochen habe ich mich mit vier Leuten (am Ende waren wir sogar sieben, aber das ist eine andere Geschichte) aufGebetshaus Augsburg gemacht zu einem Besuch im Gebetshaus Augsburg. Schon eine ganze Weile bin ich durch einen Freund und dann durch eine meiner Lobpreisleiterinnen in der Gemeinde auf deren Arbeit aufmerksam gemacht worden. Als ich dann im Urlaub das neue und absolut lesenswerte Buch von Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, las (Rezension folgt 🙂 ), war für mich klar: Diese Arbeit musst Du Dir vor Ort anschauen.

Emails hin, Messenger-Nachrichten her, am 4. September war es dann soweit. Ein Tag, der ganz neu wieder die Bedeutung des Gebets in meinem Herzen entzündet hat.

Wir wurden herzlich begrüßt von einer der Gebetshausmissionarinnen und hatten eine Stunde Zeit, uns das Haus (ging schnell) anzuschauen und ihr über die Arbeit LöGebetsraumcher in den Bauch zu fragen. Anschließend zwei für mich bewegende Stunden im Gebetsraum, die ich wohl nie vergessen werde. In einer unglaublich spirituell und geistlich dichten Stunde „betendes Bibellesen“ zu erleben, Fürbitte für Israel mithilfe von Bibeltexten, Live-Lobpreis oder aus der Dose (was uns nichts ausmachte – Vision ist immerhin 24 Stunden Live-Lobpreis zu haben) – selten war ich einfach durch das Gehen in ein „Zimmer“ so schnell in die Gegenwart Gottes gekommen wie dort. Alleine dafür bin ich dankbar. Bewegend war aber auch, die letzte halbe Stunde vor dem Abendessen miterleben zu dürfen, als alle anwesenden Gebetshausmissionare im Gebetsraum eintrafen und gemeinsam im Lobpreis mit kräftigen Stimmen Gott die Ehre gaben. Es ist immer wieder ein Segen, wenn Hauptamtliche, Leiterfiguren, gut ausgebildete Lobpreisleiter und Beter gemeinsam singen – der Sound ist schlicht gewaltig. Das Erlebnis höchst emotional. Und immer noch singt meine Seele das Lied des Abends „Bless the Lord, oh my soul“.

Lobpreis im Gebetsraum

Ein gemeinsames Abendessen mit Johannes Hartl schloss sich an. Toll, dass er sich – dass Du Dir, lieber Johannes – für uns alle so viel Zeit genommen ha(s)t!

Der Lehrabend war dann gewissermaßen ein dritter oder vierter Höhepunkt eines bis dahin ohnehin schon ereignisreichen und geistlich stärkenden Tages. Johannes Hartl legt im Augenblick das Hohelied Salomos aus und inspirierte uns alle nach einer intensiven Lobpreiszeit mit vielgestaltigen Gedanken zum Thema „Black Beauty“. Vor dem Hintergrund seiner Übersetzung des Verses aus „Ich bin schwarz – und doch schön“ (vgl. Hld 1,5) ermutigte er uns, einen der wichtigsten Aspekte seines theologischen Denkens, die Schönheit an uns selbst zu erkennen und uns selbst entsprechend der Wertschätzung und des Ansehens, das wir in den Augen Gottes haben, mit all unseren dunklen Seiten anzunehmen – uns als „schön“ zu betrachten. Gott tut es – also dürfen wir es auch tun. Ein simpler Gedanke, möchte man meinen. Aber in der Übertragung auf mich selbst oftmals äußerst schwierig umzusetzen. Der gesamte Vortrag findet sich hier:

Einige Gebete, die die Gebetshausmissionare denen anboten, die das für sich nutzen wollten, und einige leckere Cocktails (mit höchst interessanten Namen wie beispielsweise „Off 7“ – vgl. Offb 7,14) später machten wir uns nach einem langen Tag mit gefüllten und ermutigten Herzen sowie vielen neuen Impulsen auf den Heimweg. Danke an das Gebetshaus für eine segensreiche Begegnung und die Möglichkeit, einfach mal vorbei kommen zu dürfen. 🙂 Ein Tag, der wieder neu ein Feuer in meinem Herzen entfacht hat.

 

Marathon

Im Schulsport haben mich immer alle ausgelacht. „Vier gewinnt“ – damit habe ich es immerhin bis zum Abitur geschafft. Sportlich war ich eigentlich nie – zumindest gemessen an den schulischen Erwartungen und Standards der 80er und 90er Jahre. Einzige Ausnahme: Ausdauer – der sogenannte Cooper-Test, darin war ich nicht ganz so schlecht…

Alles begann im April 2013. Nach einem Besuch des Ostergartens meiner Gemeinde saßen wir mit Freunden noch gemütlich beisammen. Zwei von ihnen erzählten begeistert von „ihrem“ Lauf beim Gutenberg-Marathon. Seit ich Pastor in Bad Kreuznach bin, habe ich meine sportlichen Aktivitäten auf die Straße (früher Fitnessstudio) verlegt. Besagter Abend war der letzte Meilenstein, es endlich anzugehen: „Mein Projekt Marathon„. Ich kaufte mir die (von einem der beiden) empfohlenen Laufschuhe und fühlte mich gleich wie ein Finisher. 🙂

Rund vier, fünf Monate später meldete ich mich tatsächlich an und ließ mir (wie für Geisteswissenschaftler üblich) empfehlenswerte Literatur von Herbert Steffny (der schon Joschka Fischer zum Marathon coachte) schenken. Das Training mündete damit Anfang Januar 2014 in seine Endphase. Ich hielt mich an den 10-Wochen-Trainingsplan mit Zielzeit unter 4 Std., war angemeldet mit einer vermuteten Zielzeit von 4:30 Std. Ankommen ist beim Debüt das wichtigste.

Fortan trainierte ich dreimal die Woche (wenn es ging) – an jedem freien Montag seit Januar (bis auf sehr wenige Ausnahmen) mindestens einen Halbmarathon, teilweise bis zu 36 km. Bei meiner zweiten 36-Runde schaffte ich sogar meine eigene Halbmarathon-Bestzeit – machte dafür jedoch ab km 30 mit dem „Mann mit dem Hammer“ Bekanntschaft. Eine heilsame Erfahrung im Training, die mir im Rennen zugute kam.

Am 10. Mai 2014 „checkte“ ich mit rund 7300 Läuferinnen und Läufern in der Rheingoldhalle ein. Eintauchen in die Welt des Laufens, Läufermesse, Pasta-Party, Vorstellung der Eliteläufer, ökumenischer Gottesdienst im Mainzer Dom, nochmals Pasta im Aposto, danach zurück ins Hotel.

Echte Medaille11. Mai 2014: Der Tag, auf den ich über ein Jahr hingearbeitet hatte (solche Sätze kannte ich bis dahin nur aus dem Fernsehen…). Schon vor dem auf 06:30 Uhr gestellten Wecker wurde ich wach – rein in die Klamotten und ab zum Frühstück. Maximal möglicher Konsum an Kohlenhydraten. Packen, aus-checken, Marsch zum Start. Langes Warten am Start bei Temperaturen um 10°C, meine Finger wurden immer weißer. Nach einer gefühlten Ewigkeit endlich auch Start frei für Startblock 5. Running-App und meine uralte Polar-Uhr starten und hoffen, dass die Finger so schnell wie möglich wieder auftauen (bei km 6 waren sie wieder durchblutet).

Es war fantastisch! Dieses Gefühl: Mit 7300 Leuten durch die Mainzer Innenstadt und ihre Stadtteile mit nur einem Ziel: Ankommen! (Innerlich hoffte ich, die 4-Std.-Marke zu knacken) Das Wetter zeigte sich in seiner ganzen Vielfalt: Starkregen, Sonne, Windböen, Kälte, Wärme usw. Die totale Abwechslung.

Rückblickend bin ich die erste Schleife zu vorsichtig angegangen. In der „Hölle von Weisenau“ ermutigte mich die Begegnung mit einer Jugendlichen meiner Gemeinde. Nach gut zwei Stunden war die erste Runde geschafft. Ein erhebendes Gefühl, in die zweite einzusteigen und zu wissen: Die Hälfte hast Du – jetzt geht’s ans Eingemachte. Plötzlich war ich scheinbar allein unterwegs.

Die Theodor-Heuss-Brücke war nicht so schlimm wie erwartet (mein Weinberg-Training zahlte sich aus), der Lauf durch Kastel sehr nasskalt, bei der zweiten Brückenüberquerung schien aber schon wieder die Sonne. Ich hatte ab km 21 das Tempo bereits leicht angezogen und fühlte mich sehr gut – in großer Erwartung auf km 30 und das Danach. Doch es kam alles anders! Als ich das Schild mit der 30 erblickte, fühlte ich mich stark, keineswegs müde, auch nicht erschöpft – statt Mann mit Hammer hörte ich eher eine innere Stimme: „Komm, gib Gas, Junge – dann knackst Du die 4 Std. vielleicht noch!“ Von da an begann eine Überholjagd, die ich bis ins Ziel durchhielt. Kein konditioneller Einbruch. Und Dank der die Rennstrecke säumenden Mainzer (die uns Marathonis mit Vornamen anfeuerten) wollte keiner anhalten – ganz im Gegenteil!

Motiviert bis in die Fußsohlen im wahrsten Sinne des Wortes lief ich meinen Lauf zu Ende und kam ganz knapp über 4 Std. ins Ziel. Völlig glücklich, die Augen durch das körpereigene Salz benebZeit Nike-Appelt, Erdinger alkoholfrei und Kuchen, Telefonat mit der Liebsten, Stretchen – und: Glücklich sein.

Diese Erfahrung (oder Erlaufung?) hat mein Leben nachhaltig verändert. Schon einiges habe ich in meinem Leben erreichen dürfen: die beste
Frau der Welt geheiratet, Fallschirmsprung, viele Reisen, Doktorarbeit usw. Aber dass ich – die Sportniete der 80er und 90er – einen Marathon laufe, das habe ich lange nicht für möglich gehalten.

Muskelkater hatte ich übrigens nur drei Tage lang in den Oberschenkeln. Die waren nach einer knappen 10er-Runde am Mittwoch nach dem Marathon weg. Und: Das nächste Mal greife ich die 4-Std.-Marke an (ohne Pipipause habe ich sie übrigens schon geknackt – das zeigt die Laufapp, die bei jedem Stopp das Training unterbricht).

In Klang gegossenes Gebet

Unscheinbar steht er am Rednerpult. Schlicht, einfach, in sich ruhend. Schon allein das äußere Erscheinungsbild ist für mich beeindruckend: Es hebt sich ab vom sonst üblichen Outfit eines Kongressredners – fast könnte man annehmen, es handele sich um seine Arbeitskleidung. Trachtenhemd, Lederhose, -weste, -mütze. Schwarzes Brillengestell. Schon in sich ein Kunstwerk.

Zuvor als Einstimmung Klänge eines Streichquartetts von Johann Sebastian Bach. Wir sind in Leipzig, der berühmten Bach-Stadt. Passend zu dem, was wir gleich erleben werden.

Durch seine Schlichtheit und Authentizität zieht Martin Schleske 8000 Menschen beim Leitungskongress in seinen Bann, nimmt uns mit hinein in seine Gedanken- und Glaubenswelt.

„Musik ist immer ein in Klang gegossenes Gebet.“

Gespannt lauschen wir seinem Vortrag über die „Heilige Verunsicherung“ in unserem Leben. Was kann man am Beispiel des Geigenbaus lernen für das Leben und den Glauben? Fasziniert höre ich ihm zu, sauge seine Gedanken auf, als wäre ich ein trockener Schwamm, der nur darauf wartet, gewässert zu werden. „Gott hat uns die Musik gegeben, damit wir die Welt ertragen können.“ – sagt Schleske und nimmt uns mit hinein in seine faszinierende, von christlicher Mystik wie philosophischer Weisheit durchdrungenen und dabei reichlich reflektierten Welt des Geigenbaus.

Ich fühle mich ihm gleich verbunden, spiele ich doch selbst seit meinem sechsten Lebensjahr auf einer Mittenwalder Geige (angeblich von Mathias Klotz – stimmt aber wohl leider nicht 😦 ).

Er holt mich ab mit seinen Gedanken vom Werkzeug, mit dem er der Geige und ihrem Resonanzkasten Form und letztlich Klang verleiht. Man kann mit einem abgestumpften Werkzeug immer noch seine Arbeit tun, weil es „schon noch reicht“ (ein oft gehörter Satz aus der Alltagspraxis eines Pastors). Aber: Mit einem abgestumpften Herz zu leben, bedeutet und erfordert ganz viel Kraft (vgl. Prediger 10,10)! Nur mit einem scharfen Eisen kann man eine gute Geige bauen. Ich beginne zu ahnen, was er mir als Pastor und Leiter einer Ortsgemeinde sagen möchte. „Leben bedeutet zu leben und zu gestalten, was Gott uns sagt.“ – Wie scharf oder stumpf ist mein Werkzeug, mit dem ich meine Gaben für Gott einsetze? Wie scharf oder stumpf bin ich selbst= Reicht es noch? Oder ist es geschärft? Bin ich scharf drauf, Gott mit ganzer Hingabe zu dienen?

Entlastend der Gedanke: Es ist nicht die Schuld des Eisens, dass es stumpf wird. Das liegt in der Natur der Sache. Es ist nicht schlimm, wenn wir stumpf werden, ermutigt Schleske mich. Aber es wäre fatal, wenn wir uns nicht schärfen ließen. „Wer sich schärfen lässt, erlebt seine Würde.“

Fasziniert von diesem Erlebnis stelle ich das Mitschreiben ein und sauge jeden seiner Gedanken als Ermutigung in mich auf. Und dann der Höhepunkt: Martin Schleske ergreift gegen Ende eine Geige, sein letztes Opus – drei Tage alt. „Ich spiele kein Musikstück – nur Töne.“ Und diese Töne erlebe ich als leibhaftes in Klang gegossenes Gebet. Einen gefühlten Vorgeschmack von Ewigkeit lang höre ich ihnen zu – und mit mir faszinierte und tief bewegte 7999 andere. Bis dieses Gebet der Töne einfließt in einen Choral, gespielt von einem Quartett bestehend aus Akkordeon, Balalaika, Klarinette und Violine – und dann singt die gesamte Halle erst leise summend dann laut bekennend miteinander „Großer Gott, wir loben Dich!“ – Diese Zeit der Anbetung Gottes im Klang der Worte und Instrumente gehört für mich zum formvollendetsten, und besten aller Plenarveranstaltungen, die ich je bei Willowcreek erleben durfte. Dankbar, dabei gewesen sein zu dürfen.

„Unsere Fragen sollen uns zu Suchenden machen, unsere Visionen zu Hoffenden, unsere Sehnsucht zu Liebenden.“ (Schleske, Klang, 17)

Ich mache mich gerne auf diesen Weg – und nehme meine Geige mit.

pilgern

Ich habe das Buch von Hape Kerkeling gelesen. Ich habe verfolgt, wie Christopher innerhalb Deutschlands gepilgert ist. Ich habe eine gute Freundin aus Tübingen, die Pilgerfreizeiten in Spanien durchgeführt hat…

Heute nun wurde ich gezwungen, 11 km zu pilgern. Die Geschichte dazu: Ich wollte mit dem Fahrrad einen Besuch im 11 km entfernten Sprendlingen machen (Martina brauchte mit den Kids das Auto). Auf den letzten Kilometern verließ mich der Hinterreifen. Mein Glück: Das spielte sich in der Nähe von Pfaffen-Schwabenheim ab – berühmt durch seine Klosterkirche. Dort wohnen liebe Menschen aus unserer Gemeinde, bei denen ich mein Fahrrad abstellen durfte. Weil die nächsten Stunden (!) kein Bus nach Bad Kreuznach fuhr, war ich gezwungen, den gesamten Weg durch die sommerlichen Weinberge aber auch entlang der vielbefahrenen B 41 nach Hause zu laufen. Zum Glück hatte ich wenigstens Wasser bei mir. Aber meine Füße sagen mir jetzt: Das ist nicht Dein Ding – das Pilgern. Vielleicht lag es aber auch ganz einfach nur an der unvorbereiteten Situation, dem falschen Schuhwerk usw.

Der Besuch ist geplatzt und muss verschoben werden. Das Fahrrad muss abgeholt werden – toll, dass es solche netten Menschen in der Gemeinde gibt! 🙂 Und meine Füße müssen sich jetzt entspannen…

Ich überleg’s mir dennoch, ob ich mal pilgern soll – wo doch der Jakobsweg sozusagen direkt vor unserer Haustüre vorbei führt… Dann bin ich auch besser vorbereitet.

Mit der Welt für die Welt

Am vergangenen Samstag durfte ich im Rahmen der Landesverbandsratstagung des baptistischen Landesverbands Baden-Württemberg einen kleinen Workshop leiten zum Thema „Wie geht das – mit der Welt für die Welt“? Im Grunde war es nichts weiter als eine Nachlese meiner Erkenntnisse aus dem Projekt „Ringschule wirtschaftet“ im letzten Sommer. Dort hatte ich gelernt, dass man sich als Kirche auch dann gesellschaftsrelevant und im tiefsten Sinne missionarisch verhalten kann, wenn man verstanden hat, was die Bedeutung unseres Salz-und-Licht-Seins als Christen wirklich meint. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Gott sich eine unerträgliche Salzlake wünscht, die wenig attraktiv ist – gleichwohl möchte Gott natürlich, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Salz und Licht in und für unsere Gesellschaft zu sein, kann aber eben auch so aussehen, dass sich die Kirche im Miteinander der einzelnen Gesellschaftsfeldern an Aktionen wie etwa „Ringschule wirtschaftet“ beteiligt und dadurch Menschen Hoffnung schenkt, Perspektive vermittelt und ihnen wertschätzend Würde verleiht.

Im Workshop habe ich u.a. dargestellt, dass Gemeinden um die 100-Mitglieder-Marke teilweise gar nicht anders können als „mit der Welt für die Welt“ etwas zu tun – denn oftmals fehlen gerade kleinen Gemeinden ja die Man- und Woman-Power, größere Projekte zu verwirklichen – an Ideen freilich nicht! Und das ist gut so! Denn so sind sie genötigt, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und sich mit Leuten zu vernetzen, die dabei helfen können, die Ideen mit umzusetzen und eben nicht nur Idee bleiben lassen zu müssen.

Wer weiß: Vielleicht beginnen unsere Gemeinde dann ja auch irgendwann damit, numerisch zu wachsen. Allerdings ist bereits der qualitative Wachstumsschritt ein riesen Fortschritt. Am Ende waren von uns 100 Leutlen 40 an „Ringschule wirtschaftet“ beteiligt (ehrenamtlich oder als Gäste). Das macht Mut, auch die nächsten Projekte trotz eingeschränkter Möglichkeiten anzugehen – denn so eingschränkt sind die Möglichkeiten (wie sich zeigt) ja garnicht. 🙂

WACHSEN – im Glauben, Lieben und Leiten

Es war einer der besten Kongresse, auf denen ich je gewesen bin – wenn nicht sogar der besten Willow Creek-Kongress überhaupt (natürlich abgesehen vom Leadership Summit bei Willow Creek in Chicago 1999 🙂 )

„Wachsen – im Glauben, Lieben und Leiten“ – der Titel war Programm. In jeder der einzelnen Sessions bot sich die Möglichkeit, das eigene „Wachsen“ zu befördern, sich motivieren zu lassen und auf dem Weg hin zu einem christuszentrierten, das heißt (kurz:) mündigen Christen, der das Vorbild Christi versucht nachzuahmen, einen Schritt vorwärts zu kommen.

Als guter Baptist und alter GJW-Hase muss ich gestehen, waren einzelne Inhalte nicht gerade neu für mich: Zum Beispiel gerade der Aspekt der „Christuszentriertheit“, den das „up to you“-Konzept des GJW schon seit langem kennt. Und auch die von Dr. Larry Crabb aufgezeigten Aspekte unseres menschlichen Daseins, die sich unter der Oberfläche abspielen und doch so viel mit dem zu tun haben, was wir an und über der Oberfläche tun, sind für einen Studierenden bei Olaf Kormannshaus alles andere als neu… 😉

ABER: Insgesamt hat der Kongress gehalten, was er versprach: Es waren inspirierende Stunden, die ermutigt haben, in der Kirche mit dafür zu arbeiten, dass die frohe Botschaft von der Hoffnung der Welt sich weiter ausbreitet. Dabei wurden zum einen Vorträge gehalten, die ganz existenziell mit mir selbst zu tun hatten (John Ortberg, Bill Hybels, Dr. Larry Crabb); da wurden aber auch Beispiele genannt, wie Christen sozialer Armut begegnen, wo Gemeinden die Armut in ihrerm Umfeld bekämpfen und Menschen eine neue Heimat und hilfreiche, konstruktive Gemeinschaft vorfinden.

Ganz besonders beeindruckend: Die Arbeit von Kiva, einer Institution für Mikrofinanzierung, um Armen Kleinstkredite zu gewähren, damit sie aus eigener Kraft einen Weg aus der Armut finden.

Inspirierend aber auch der Vortrag von Pastor Craig Groeschel „Das gewisse Etwas erreichen und behalten“. „Wenn Du Menschen erreichen willst, die sonst niemand erreicht, mußt Du Dinge tun, die sonst keiner tut.“ Sehr herausfordernd war das, sich selbst diese Frage zu stellen, ob man selbst und seine Gemeinde das „gewisse Etwas“ hat.

Spannend, erfrischend und nachdenklich zugleich der Beitrag von Prof. Dr. Johannes Reimer über die soziale Verantwortung der Gemeinde, und wie sie durch deren Wahrung zu Wachstum gelangt. Reimer machte die Notwendigkeit einer engen Vernetzung von Kirche mit ihrer Stadt/Gesellschaft deutlich, um als Kirche sozial relevant für die Gesellschaft zu sein und so Wachstum zu ermöglichen.

Enttäuschend allerdings der Vortrag „Sicher sicher führen lernen“ von Prof. Dr. F. Malik, welchem entweder nicht bewußt war, wo er sich befand, oder der einfach nur schlecht vorbereitet war. Von einem Mann dieses Formats erwartet und erhofft man mehr. So bekam man einen Abriss seiner Lehre präsentiert verbunden mit dem Hinweis und der Bitte um Verständnis, dass in so kurzer Zeit zum Thema nicht alles gesagt werden könne, weshalb nun alle über 8000 Teilnehmer einen Login auf der Homepage von Prof. Malik erhielten – zum Download detaillierter Informationen zum Thema…

Malik betonte übrigens die Bedeutung des World Economic Forum, das zeitgleich in Davos begann. Bill Hybels kommentierte dies gegen Ende der Konferenz in Karlsruhe als bei weitem weniger effektiv und relevant denn das Treffen der Kirchenleitenden in Karlsruhe.

Fazit: Für mich gab der Kongress vor allem eines: Motivationsschub für die Gemeindearbeit vor Ort. Dass dabei die Arbeit an einem selbst niemals aufhören darf, versteht sich von selbst. Es war aber gut, dass dies – endlich auch bei Willow – gesagt wurde.