Auferstehung und Leben

Der letzte Gottesdienst unserer Gottesdienstreihe über die sieben Ich-bin-Worte des Johannesevangeliums steht kurz bevor. Diesmal dreht sich alles um die Aussage Jesu: Ich bin die Auferstehung und das Leben.

Schon krass, was Jesus Maria und Marta hier wieder zumutet. Immerhin steht das Ich-bin-Wort inmitten der Erzählung vom Tod des von Jesus geliebten Freundes Lazarus, und Jesus bleibt erstmal noch zwei Tage da, wo er ist, als er die Nachricht erfährt. Aber vermutlich war das alles Absicht, weil Jesus durch sein Handeln schließlich Gott, den Vater verherrlichen wollte.

Tod und Auferstehung liegen eng beieinander. Und die Auferstehung ist im Grunde das Ziel allen Lebens – des Lebens Jesu zuallererst, aber auch unseres Lebens. Zwar findet sich das Ich-bin-Wort so zentral im Johannesevangelium, dass es zentraler kaum geht, und dennoch ist bei der Summierung aller anderen deutlich erkennbar, dass es bei Johannes immer um diese Frage nach dem Leben geht.

Ihr sucht das Leben? Bei MIR – bei JESUS – habt ihr es. Und damit bekommt dieses Leben eine doppelte Pointe: Einmal handelt es sich ganz klar um das Ewige Leben, das denen zugesprochen wird, die an Jesus glauben. Zum anderen aber handelt es sich – nun davon ausgehend – um das im Hier und Jetzt gelebte Leben von uns, das sich hoffentlich durch die Glaubensgewißheit affiziert zu einem Leben entwickelt, das demjenigen Lebensstil Jesu immer ähnlicher wird.

Interessant, bei diesen Gedanken die aktuelle Situation unserer Gemeinde mitzuerleben. Einige Jugendliche (o.k., teilweise sind es bis zu 30) sorgen auf unserem Gemeindegelände immer stärker für Unruhe, Müll und Zerstörung. Wie gehen wir damit um? Nun, die Ansätze sind konträrer, als man es sich wünschen mag: Die einen wollen einen Bauzaun errichten. Die anderen wollen sich mit den Leuten zusammensetzen und ihnen näher kommen, um sie und ihre Lebenssituation zu verstehen und vielleicht sogar zu helfen. Und zwischen beiden Seiten entbrennt just in dieser Zeit ein heftiger Streit.

Am Kreuz scheiden sich die Geister. Und ich frage am Ende rhetorisch: What would Jesus do? 😉

Ich empfehle mich und bleibe, dem Vorbild Jesu entsprechend, nun auch erstmal da, wo ich die nächsten Tage bin: In Italien.

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Weinstock

Heute habe ich die Predigt über den Weinstock geschrieben. Das ist vielleicht das interessanteste Bild, weil am „Nahe“-liegendsten, wohnen wir doch hier inmitten eines großen und schönen Weinanbaugebietes, dem der Fluss seinen Namen gibt. „Nahewein – ein Edelstein“, heißt es so schön – und tatsächlich, die Weißweine aus dieser Region sind wirklich von hoher Qualität, und auch so mancher Rotwein kann sich sehen lassen.

WeinrebeIch muss an Dionysos denken, der Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase, gegen den und den Kult um ihn sich vielleicht auch Johannes mit seiner Rede von Christus als dem wahren (man könnte auch sagen: zuverlässigen) Weinstock wendet.

Es ist spannend, sich zu überlegen, wie aufwändig die Arbeit eines Winzers ist – wie aufwändig der Job Gottes, der laut Jesus ja der Winzer ist, sein muss, wenn wir uns klar machen, dass die Arbeit am Weinstock (= Jesus – nur nochmal so als Erinnerung 🙂 ) und seinen Reben (= uns) so mühsam ist. Nicht nur die Arbeit an den Reben – auch die am Weinstock selbst war ja – erinnert man sich etwa an den Philipperhymnus sowie an Texte bei Jesaja, die gerne an Karfreitag gelesen werden – ein knochenharter Job für Gott. Immerhin mußte er seinen einzigen Sohn hingeben – wenn das nicht Stress für einen Vater bedeutet. – Aber auch die Arbeit an den Reben ist mit viel Schweiß verbunden… Wahrlich, wahrlich…

Am Ende wird deutlich, dass unsere eigene Antwort auf unser „Bleiben in Jesus“ zum Dreh- und Angelpunkt wird für die Frage, ob unser Leben nun gelingend ist oder nicht. Hängen wir am Lebenssaftstrom des Weinstocks und Lebensbaums Christus, oder hängen wir woanders herum, ja, hängen wir überhaupt irgendwo, oder sind wir bereits ausgebrannt usw.? Der Strom des Lebens kann uns nur erreichen, wenn wir am wahren, echten, zuverlässigsten Weinstock, den der Weinberg zu bieten hat, hängen. Erst und nur dann, wird unser Leben im wahrsten Sinne des Wortes ertragreich – für uns selbst und für unsere Umwelt.

Letztlich ist es die Liebe, die alles zusammenhält. In der alttestamentlichen Poesie ist das Bild vom Weinberg und seinem Besitzer ein Bild für eine Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk. Gott, der Geliebte seiner Geliebten, des Volkes Israel. Gott also neutestamentlich der Geliebte seiner Geliebten, der Kirche Jesu Christi, die am Weinstock hängt. Liebe durchfließt dann jede Rebe, jeden Zweig und vervielfacht sich durch die Früchte, die in sich den süß schmeckenden Lebenssaft einerseits, und auch durch die Samen die Möglichkeit zur Fortpflanzung andererseits in sich tragen.

Ach, wie schön sind solche Bilder. – Wir werden natürlich wieder mit echten Weinstöcken arbeiten, auch mit vertrockneten, ich suche noch nach einem Winzer (bisher von allen eine Absage! 😦 ), der Lust und Zeit hat, sich von mir interviewen lassen würde (ist da draußen einer, der dies zufällig liest und es machen würde?). Und passend zum Thema werden wir natürlich traditionell am ersten Sonntag im Monat auch das Abendmahl feiern. Ich freu mich drauf.

Guter Hirte

In dieser Woche liegt der Fokus unserer Predigtreihe auf dem Bild vom Guten Hirten. Man könnte natürlich viel dazu machen und Johannes 10 ist ja nun wirklich kein kurzes Kapitel. Da reicht eine Predigt eigentlich gar nicht. Und trotzdem: Dieses Bild fasziniert mich immer wieder und begleitet mich bereits mein ganzes Leben hindurch. Da gibt es Psalm 23 (den sollte jeder auswendig können, finde ich! 🙂 ) – aber auch viele andere Ideen und Impressionen. Zum Beispiel das Gleichnis vom verlorenen Schaf, bei dem sich der Hirte freut, sein Schaf wieder gefunden zu haben.

Guter-Hirte

Also, ich denke, es wird wieder um die Frage gehen, wer Jesus für uns ist, wenn wir ihn in seiner Selbstbeschreibung als Gutem Hirten betrachten. Dabei wendet sich der Blick wieder auf beide Aspekte: Einmal die Frage nach der Ewigkeit – das steckt letztlich in dem Kennen der Stimme des Hirten und damit dem Kennen Gottes als Vater (vgl. dazu auch wieder Joh 14,6 – niemand kann Gott als Vater erkennen, als allein derjenige, der an Christus glaubt) – und zum anderen die Frage nach der Verlorenheit der Schafe und der Tatsache, dass der Hirte sie sucht – und davon ausgehend dann seine Gemeinde und Kirche.

Ich bin gespannt, was die Woche an Ideen, kreativen Gedanken und Elementen im Gottesdienst bringen wird. Der Tür-Gottesdienst war jedenfalls schon sehr dicht und intensiv und (!) gut besucht! Das hat mich sehr gefreut. Die Betroffenheit der Botschaft Jesu war sehr stark spürbar. Ich hoffe, dass wir uns auch von dem Guten Hirten wieder inspirieren und zum Nachdenken anregen lassen.

Tür

Im Rahmen unserer Predigtreihe sind diese und die nächste Woche zwei Ich-bin-Worte aus ein und demselben Kapitel dran: „Ich bin die Tür“ und „Ich bin der Gute Hirte“ (beides zu finden in Johannes 10). Das heißt natürlich schonmal, dass beide Themen inhaltlich auch zusammengehören, wenn sie von uns auch in zwei Gottesdiensten auf unterschiedliche Weise angeschaut werden.

Im Rahmen der Tür – oder sollte ich besser sagen: im „Tür-Rahmen“ stehen wir am Sonntag im wahrsten Sinne des Wortes. Vor dem Kreuz auf unserem Podium ist bereits eine richtige Tür aufgestellt (sieht echt cool aus!). Die Gottesdienstbesucher werden die Möglichkeit erhalten, durch diese Tür zu gehen und dabei ganz deutlich zu erleben, was das Wort Jesu wirklich bedeutet. Zumindest wünsche ich mir, dass das zu einem Schlüsselerlebnis für sie wird. Apropos Schlüsselerlebnisse: Auch ein Zeugnisteil zum Thema Schlüsselerlebnisse mit Gott ist in den Gottesdienst eingebaut, der durch eine Pantomime zum Thema inspiriert sein wird.

Auch einiges an Deko wird neben dem Türrahmen wieder am Start sein. So hat einer unserer Künstler wieder ein Bild mit einer Türe gemalt und dieses Bild als Gebetskärtchen, gewissermaßen als Give-aways, produzieren lassen.

Spannend und beeindruckend, mit welcher Leidenschaft, die Menschen in meiner Gemeinde sich in die Gottesdienstvorbereitung reinhängen, Stunden damit verbringen, motiviert und begeistert dabei sind. Ich wünsche mir, dass die Menschen aus unseren Gottesdiensten verändert herausgehen.

Licht

Nachdem der „Brot-Gottesdienst“ heute super gelaufen ist und die Menschen mit allen Sinnen berührt zu haben scheint, gilt das schöne Motto: Nach dem Gottesdienst ist vor dem Gottesdienst. Und in diesem Sinne verlaufen die Vorbereitungen für den „Licht-Gottesdienst“ auch schon auf Hochtouren.

Diesmal haben wir ein Moderatorinnen-Duo am Start, das an sich schon für Kreativität steht und diese garantiert. Und natürlich werden wir mit Lichteffekten aller Art arbeiten. Das Wort Jesu lautet ja: „Ich bin das Licht der Welt“ – also: was liegt näher, als dekomäßig mit Globen, einer großen Weltkarte aus der Erdkundeabteilung der benachbarten Hauptschule und mit Licht-und-Schatten-Spielen sowie einem ordentlich leistungsfähigen Spot auf das Kreuz zu arbeiten?? Am Ausgang gibt es (statt Brot und Brotrezepten wie heute) dann als Giveaways Streichholzschachteln mit extra vorbereitetem passendem Spruch.

Cool finde ich ja, dass der kommende Sonntag im Kirchenjahr „Okuli“ heißt – „Meine Augen sehen stets auf den Herr“ – paßt irgendwie auch zum Thema Licht, denn ohne Licht könnten unsere Augen ja auch nichts sehen. Und in diese Richtung geht es auch inhaltlich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebenshaben.“ (Joh 8,12) Dieser Text hat zwei Richtungen: 1. Licht der Welt ist Jesus. 2. Nur, wer nachfolgt, wird das Licht haben – und (jetzt schön nach Mt 5) kann selber Licht für die Welt sein!Mir geht es wieder um Veränderung (damit nerve ich meine lieben Gemeindegeschwister schon seit Wochen…) – und wer nicht bereit zur Veränderung ist, der sollte nicht unbedingt Christ werden wollen. Und es wichtig, das wir aus der Finsternis (auch unserer psychologischen und so) heraus treten ins Licht, damit wir selber Licht sein können.

Naja, ich muss noch packen. Ab morgen bin ich für eine Woche auf dem Theologischen Konvent und der Vikariatsabschlusstagung. Danach bin ich endlich (hoffentlich) „fertiger“ Pastor. Aber das ist eine andere Geschichte…

Brot

Am kommenden Sonntag ist im Rahmen der Predigtreihe also die Brotrede Jesu dran. Grübel Grübel… Wir haben uns wieder einen sehr kreativen Gottesdienst ausgedacht: Vom selbst gemalten Bild zum Thema, dem Verkosten von Brot während der Predigt, einem kleinen Theaterstück, das das Thema alltägliches und schon traditionelles Tischgebet beim Frühstückstisch problematisiert, ein 60×80 cm großes „Brotkreuz“ vom Bäcker, das als Deko bis Ostern in der Gemeinde stehen bleibt (und leider vertrocknet), bis hin zu der Tatsache, dass wir vor Gottesdienstbeginn in unserer Küche wie die Weltmeister Brot backen werden, damit das ganze Gebäude nach frisch gebackenem Brot riecht – ist vieles dabei und zielt darauf, unsere Sinne anzuregen und für das Thema zu sensibilisieren.

Aber inhaltlich? Mir ist mal wieder klar geworden, dass es bei allem, was die Bibel so berichtet, immer um unsere Geschichte mit Gott geht. Welchen Bezug haben wir zum Leben und zu dessen Geber? Wie gestalten wir dieses Leben? Leben wir vom Weißbrot oder Fastfood? Oder nehmen wir ein gutes und kräftigendes Brot zu uns? Und überhaupt: Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Weshalb? Was ist ein Grundnahrungsmittel? Folgt den Links! Höchst spannend. Und dabei so einfach. Brot ist das Nötigste vom Nötigen. Jesus ist das Nötigste vom Nötigsten. Es ist so einfach. Und dennoch ist uns manchmal das Süßigkeiten futtern am Abend oder das sinnlos immer wieder Burger etc. zu uns zu nehmen lieber, als vernünftige Nahrung, unvergängliche Speise… – Hey, Leute: Nie mehr hungern und dürsten – nie mehr diese unerträgliche Sehnsucht und Sucherei und Fragerei ertragen müssen, weil sie sich erledigt hat durch „den Nötigsten vom Nötigsten“. Es ist soooo einfach.

Weshalb nur machen sich manche Leute das Leben gar so schwer? In den letzten Wochen mußte ich gleich mehrfach in verzweifelte und hoffnungslose Gesichter blicken. Die einen waren mit dem Thema Krankheit, Sterben und Tod konfrontiert.  Teilweise sehr krass und abrupt – völlig unerwartet standen sie plötzlich am Sarg eines geliebten Menschen. Die anderen waren untröstlich, weil Beziehungen zu scheitern drohten, weil eigene Lebenskonzepte und Verhaltensmuster dem eigenen Leben und den Beziehungen im Weg standen – aber was dagegen zu unternehmen ist zu unbequem… Wie tröstlich und hoffnungsvoll ist es da dann, wenn wir die Grundbedürfnisse unseres Lebens vorher befriedigt und geklärt wissen – vorher: bevor wir nämlich an die Grenzen unseres Lebens geführt werden. Aber selbst dann, wenn wir Grenzerfahrungen machen, ist noch nicht alles aus! Wir dürfen uns verändern (lassen), Dinge in unserem Leben klären, Klarheit schaffen – auch das sind Grundbedürfnisse…

Mir macht die Brotrede erneut deutlich: Wir leben auf dieser Erde nicht für immer. Aber wir haben einen, der unser Leben hier und darüber hinaus satt machen kann, satt werden lassen kann, der unsere Sehnsucht befriedigt und uns eine Lebensperspektive schenkt, die über den Tod hinausreicht. Und das ist es doch, was wir alle brauchen, oder nicht?

Der Weg – III

Der Weg ist zwar nicht geschafft, aber zumindest der Gottesdienst mit Joh 14,6 als Thema und gleichzeitig Eröffnung der Predigtreihe über die Ich-bin-Worte ist vorbei. Es war eine sehr inspirierende Erfahrung. Da gab es die Möglichkeit, kreativ über die eigene Lebensgeschichte nachzudenken, einzelne prägende Wegmarken des eigenen Lebens festzustellen und darüber ins Nachdenken zu kommen. Von einigen Leuten (aus den unterschiedlichsten Generationen übrigens) haben wir dann Beispiele ihres Lebens erzählt bekommen.

Die Predigt hat darauf aufmerksam gemacht, dass es sinnbringend und bereichernd sein kann, Jesus Christus den Weg meines Lebens, ihn mein Leben und meine (Lebens-)Wahrheit sein zu lassen. Aber es kann auch gefährlich werden, nehmen wir es ganz ernst, und verstehen wir Nachfolge nicht einfach als das, was wir gemeinhin darunter als Christen vielleicht verstehen. Inspiriert wurde ich zuletzt von der Lektüre des Buches „Ich muss verrückt sein, so zu leben“ von Shane Claiborne, den ich letztes Jahr bei Dive Deeper live erleben konnte. Er lebt vor, wie radikaler Lebensstil als Christ aussehen kann – radikal deshalb, weil er sich tatsächlich an der Wurzel, dem gelebten Vorbild Jesu Christi, orientiert. Zum Schluss haben wir dann das Video von Xavier Naidoo, Dieser Weg, gezeigt – denn, wenn wir ernst machen mit dem Vorbild Jesu in unserer Nachfolge, die sich daran orientiert, dann wird der Weg als Christ zumindest nicht immer (!) ein leichter sein.

Kreativ war auch, dass ein langer Weg in den Gottesdienstraum gelegt wurde (mit 30m schwedischem Gardinenstoff *lach*), und der direkt vor dem Kreuz endete. Jeden Sonntag soll der Gottesdienstraum nun um ein Element, das sich auf eines der Ich-bin-Worte bezieht, erweitert werden, sodass an Ostersonntag die Sieben voll ist. Postmoderne – ich komme!!! 🙂

In den kommenden Wochen warten nun die anderen Ich-bin-Worte auf uns. Als nächstes ist das Brotwort an der Reihe. Kennt jemand Duftmittel, die den Duft von frisch gebackenem Brot in einem Raum erzeugen können???