IceBucketChallenge

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ich zur IceBucketChallenge nominiert wurde. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Josef Adugna von SUNA, der dies in seiner charmanten Art gestern getan hat.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich normalerweise für alle möglichen Späße zu haben bin – und freilich habe ich auch bei dieser „lustigen Aktion“ mitgemacht. Aber eigentlich ist es keine wirklich lustige Aktion (mehr), weil es um ein sehr ernstes Thema geht.

Der Hintergrund für diese Aktion ist ein Spendenaufruf zur Unterstützung der ALS-Forschung. Ich persönlich stehe der ganzen Sache kritisch gegenüber – aber das erkläre ich im Video hinreichend und knapp.

Wer ausführlichere Hinweise sucht, sei an Julia Probsts Blog verwiesen, die die Sache vortrefflich auf den Punkt bringt und mich zu meiner eigenen Entscheidung inspiriert hat. Danke an der Stelle! 🙂

 

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„I have a Dream“

Die berühmte Rede des Baptistenpastors Martin Luther King wird heute 50 Jahre alt.

An Aktualität hat sie nichts verloren und ist nach wie vor eine der wichtigsten und inspirierendsten Reden der letzten Jahre.

Ein interessanter und lesenswerter Artikel dazu findet sich in der Onlineausgabe der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.

kirche 21?

Der Titel dieses Posts – um das vorweg zu sagen – soll keine Anspielung auf die Initiative „Kirche 21“ sein, die ich gerne verfolge wahrnehme und noch gerner an ihr teilnehmen würde, wenn Berlin, Hannover und die anderen norddeutschen Städte nicht so weit weg wären…

Es gehört zu mir, dass ich mir immer wieder über das Thema Kirche Gedanken mache. Das liegt zwar auch an meinem Beruf, hat aber in meiner Vergangenheit weit vor Beginn meines Studiums ihre Wurzeln? Wie muss die Kirche im 21. Jahrhundert aussehen, um relevant zu sein für ihre Gesellschaft?

Dazu habe ich vor kurzem eine interessante Erfahrung gemacht: In vielen Predigten habe ich und werde ich immer wieder auf die Duplizität des Christseins hinweisen – meine Beziehung zu Gott, meine Erlösung (= Heil) in Jesus Christus einerseits; und andererseits die Konsequenzen, die sich daraus für mich und mein Handeln in der Welt ergeben. Manchmal habe ich den Eindruck, wir häufen als Christen immer mehr Wissen auf, werden geistlich-wissentlich immer fetter und allein dadurch schon unbeweglich. – Nun war ich mit guten Freunden vor kurzem im Urlaub. Sechs Familien, die sich über den Kindergarten kennengelernt haben. Ein buntes und schönes Miteinander – Leben wie in einer Kommune (= Gemeinschaft). Wo man kann, hilft man sich gerne, unterstützt sich – wenn der eine gerade für alle kocht, kümmert sich eben ein anderer um die Kinder. Gemeinschaft findet im ganz alltäglichen Leben statt. O.k. – Urlaub ist nicht der ganz normale Alltag. Aber ein kleiner Abgeschmack dessen, wie Alltag sein könnte, war es eben doch.

Und ich habe mich gefragt: Ist nicht genau diese Lebensform von Gemeinschaft das, was ich mir auch von der „Kirche 21“ erträume? Eine Gemeinschaft, die relevant für ihre (klitzekleine) Gesellschaft ist? Wo man sich hilft? Wo man sich gegenseitig entlastet? Wo man Zeit fürs Gespräch hat? Wo man offen und trotzdem unterschiedlicher Meinung sein kann und sich gerade deshalb beginnt, noch mehr zu schätzen? Wo Wertschätzung für die allerkleinsten Dinge stattfindet? Und all das (nota bene:) in einer überkonfessionellen Gemeinschaft (= Ökumene)? Ich könnte diese Reihe unendlich fortsetzen.

Mir fiel auf: Diese Gemeinschaftsform ist genau die, nach der ich mich sehen, wenn ich über „Kirche 21“ nachdenke. Mit einem Unterschied: Das von mir erlebte hatte einen Aspekt zu wenig: Der Gottesbezug, der Bezug zum Transzendenten fand kaum statt. Zumindest nach meinem Frömmigkeitsverständnis nicht. Das hat mir gefehlt. Und doch: Er fand statt in den Diskussionen, die bis tief in die Nacht gingen. Ich habe gelernt: Man muss nicht immer gleich beten, um das Gefühl von Gottesbezug zu haben. Gott war da! In der Gemeinschaft! Das ist alles.

Ich wünsche mir, dass sich dieses Verständnis in meinem direkten Umfeld mehr verbreitet.

reichtum 21

Heute ist Erntedanktag.

Ich liebe diesen Tag im Kirchenjahr besonders. Schon als Kind habe ich mich darauf gefreut: Weil wir Kinder uns nach dem Gottesdienst immer an den Früchten am Erntedanktisch bedient haben. Die frischen Trauben, eine Banane – alles geschenkt! 🙂

Der Erntedanktag zeigt uns auch unseren Reichtum. Im 21. Jahrhundert geht es immer mehr darum, dass die Menschheit in Versorgungsengpässe gerät. Gut, das erleben wir in Europa vielleicht nicht so sehr. Zumindest diejenigen unter uns nicht, die (noch) nicht von Hartz IV betroffen sind. In dieser Woche gab es in unserer Stadt eine ACK-Veranstaltung mit dem Titel „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“. Das war herausfordernd und beschämend zugleich: Auch in meiner Stadt gibt es Arme, die sich kaum die Butter auf dem Brot leisten können. WARUM lasse ich das zu?

Und dann Erntedank: Das Fest, das vom Dank an Gott für seine gute Gabe (auf den Feldern) geprägt sein soll. Eine Versorgung, die allen gilt, weil vor Gott alle gleich sind. Eine Versorgung, die allen zugetan werden soll – zumindest dachte Gott sich das so…

Wir sind reich – steinreich – und wir könnten mit unserem Reichtum die Welt versorgen. KEINER müsste hungern. KEINER müsste isoliert um seine Existenz kämpfen. „Reichtum 21“ sieht so aus, dass alle alles miteinander teilen, und dass daraus Segen für alle entsteht.

Während sich in Stuttgart die Mächtigen und Gewalten wegen Stuttgart 21 die Köpfe einschlagen, ein Milliardenprojekt, müssen in der gleichen Stadt Menschen hoffen, dass sie ein Dach über dem Kopf haben für die nächste Nacht, dass sie etwas zum Essen bekommen am nächsten Tag usw.

Reichtum 21 heißt für mich: Ich lasse mich von Gott verwandeln zu einer „guten Gabe“ für eine bessere Welt. Ich lasse mich gebrauchen als gute Gabe, damit alle gleich viel zur Verfügung haben. Ich werde als Teil der Kirche zur lebendigen Eucharistie und sorge mit der Gemeinschaft dafür, dass denjenigen Recht widerfährt, die entrechtet ist. Ich lasse aus mir Segen fließen, damit ein Stück des Reichtums wieder an Gott zurück kommt. Denn eins ist auch klar: Reichtum 21, das gäbe es nicht, wenn Gott nicht wär. Denn aller Reichtum kommt von Gott.

Erntedanktag, 20 Jahre Deutsche Einheit – lies mal unter diesem Gesichtspunkt Epheser 2,17-18.

10:1

10:1 – das ist nicht mein Tipp fürs Spiel Deutschland – England am Sonntag (auch wenn ich mir das wünschte…). Nein, 10:1 ist eine Feedback-Methode, die ich bei Willow Creek kennengelernt habe: Bevor man einen negativen Kritikpunkt äußern darf, muss man 10 Punkte anführen, die man an einer zu kritisierenden Sache gut fand.

Manchmal wünschte ich mir, wir würden diese (und andere tolle) Methode(n) in unserem Gemeindeleben stärker fruchtbar machen. Ich erlebe sehr oft, dass man im kirchlichen Leben zuerst über die Dinge spricht, die schlecht laufen. Man will nicht alles perfekt machen. Man hat Angst, etwas falsch zu machen. Eigentlich reden wir viel zu häufig über das, was wir nicht wollen, nicht können, sein lassen müssten, das was schwierig ist, was irgendwie nicht läuft. Anstatt über die Dinge zu reden, die schon richtig gut laufen, wo wir uns auskennen und echt gut drin sind.

Das macht mich nachdenklich, teilweise auch ratlos. Aber ich habe mich entschieden: Ich möchte positiv und exzellent an die Dinge herangehen, damit meine eigene Denkweise sich auf andere übertragen kann und wir von der positiven Seite her das Leben gestalten.

Ringschule „wirtschaftet“ – 2

Die Vorbereitungen für Ringschule „wirtschaftet“ laufen auf Hochtouren – und es macht riesig Spaß, mit vorbereiten zu dürfen und auch dabei zu sein (wenn es jetzt auch teilweise mit allem anderen, was noch so ist, auch schon ganz schön stressig wird…). Ich merke, wie mich das Fieber packt, sozial-diakonisch im weitesten Sinne aktiv zu sein und alle Felder des gesellschaftlichen Lebens im wahrsten Sinne des Wortes an einen Tisch zu bringen.

Seit kurzem weiß ich, dass die Adresse unserer Gemeinde bei der Polizei aufgrund der Situation mit den Jugendlichen, die unser Gelände meistens am Wochenende bevölkern, als „sozialer Brennpunkt“ registriert ist. Ich habe die Gemeinde letzten Sonntag gefragt, wie es ihr damit geht. *hihi* – Per Definition bezeichnet der Begriff Sozialer Brennpunkt ein Wohngebiet, in dem „Faktoren, die die Lebensbedingungen ihrer Bewohner und insbesondere die Entwicklungschancen beziehungsweise Sozialisationsbedingungen von Kindern und Jugendlichen negativ bestimmen, gehäuft auftreten“. – Die Ringschule wird als eine Schule „im“ sozialen Brennpunkt begriffen oder als Ort, an dem Kinder „aus dem sozialen Brennpunkt“ zur Schule gehen. Soviel zum Thema Schubladendenken… – In der Optik hat der Begriff Brennpunkt dagegen eine ganz andere aber interessante Bedeutung: Hier versteht man unter dem Brennpunkt (oder: Fokus) die durch etwa eine Linse erzeugte Bündelung von Lichtstrahlen zu einem einzigen verdichteten Lichtstrahl – dieser kann eine sehr hohe Energiedichte aufweisen, die in der Lage ist, brennbares Material zu entzünden. Was für ein Bild für menschlich-gemeinschaftliches Handeln: Ein sozialer Brennpunkt, in dem sich das Licht bündelt, sodass alles, was von diesem Licht getroffen wird, sich entzünden läßt, anstecken läßt. Ich wünsche mir tatsächlich, dass wir es bei „Ringschule wirtschaftet“ schaffen, den Kindern und Jugendlichen genauso wie allen Gästen zu vermitteln, dass es für jede Lebenssituation eine Perspektive gibt, wenn man näher zusammenrückt in der Gesellschaft und aufeinander achtet.

Als Pastor hat alles Gesagt für mich auch noch eine andere, tiefere Bedeutung: „Kirche verstanden als sozialer Brennpunkt“ – was für ein Bild! Das Licht, das in die Welt strahlt, kann Menschen auch mit der Liebe Gottes entfachen, entzünden, wenn Menschen durch sich der Energiedichte dieses Lichtes aussetzen, sich also „in den sozialen Brennpunkt Kirche“ begeben, wenn sie der verdichteten Energie der Liebe Jesu im Miteinander menschlich-gemeinschaftlichen Handelns begegnen. Durch wen aber können Menschen der Liebe Jesu begegnen? Unter dem Begriff „Kirche“ findet sich hier die Antwort.

Frohes Neues Jahr 2009

-)

Jahreslosung 2009

Die neue Jahreslosung hat es in sich. Und zwar gerade nicht nur deshalb, weil sie uns vielleicht an ähnlich lautende Sprüche aus der Werbung für die Automibilindustrie erinnert, sondern weil dieser Vers zugleich auch den Schlusssatz bildet im Gespräch über die Gefahr des Reichtums oder (und unter diesem Titel wesentlich bekannter) der Geschichte mit dem reichen Jüngling. – Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Welch ein Satz als Jahreslosung mitten in einer Zeit, und zum Beginn eines Jahres, das von Rezession und unserem Umgehen mit einer drohenden Weltwirtschaftskrise geprägt sein wird. Eine Krise freilich, die „wir Reichen“ uns selbst zuzuschreiben haben.

Jesus sagt, dass es leichter ist, dass ein Kamel durch das berühmte Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt. Grund: Es fällt den Reichen so schwer, sich von ihren gewohnten Standards zu verabschieden – ob das nun das eigene Geld und Vermögen ist, oder die eingeübten Verhaltensmuster und Gewohnheiten.

Von daher stellt die Jahreslosung eine doppelte und hochexplosive Mischung dar für die Kirchen und ihre Botschaft: Einmal sagt sie nämlich, dass Gott nichts unmöglich ist, dass ihm also auch unser Reichtum nicht im wege steht, um sein Reich zu bauen und Menschen in seine Gegenwart zu ziehen. Zum anderen kann die Jahreslosung – bezogen auf die jeweilige und persönliche Situation – Hoffnung machen auf ein Jahr, das vielleicht gerade trotz seiner großen Ungewissheiten und Unbekannten, Unmögliches möglich werden lassen kann.

Als Kirchen jedenfalls sollten wir uns auf den Weg machen und die Jahreslosung aus dem Zusammenhang heraus als eine mutmachende Zusage verstehen, dass Gott sein Reich baut und viele in es hineinziehen wird. Vielleicht ist eine der Voraussetzungen dazu aber, dass wir als Kirche uns von unseren alten Gewohnheiten – unserem Reichtum – auch mal verabschieden.

Es bleibt und wird spannend! In diesem Sinne ein frohes und gesegnetes neues Jahr 2009.

Cappuccino-Manager

„Immer wieder kann man in Unternehmen blinden Aktionismus entdecken, mit dem Führungskräfte demonstrieren wollen, dass sie etwas bewegen. In Wirklichkeit wirbeln sie nur viel Staub auf. Dafür gibt es inzwischen einen Fachbegriff: Cappuccino-Manager – auf der Oberfläche viel Schaum und darunter nur wenig Substanz.
Aktionismus ist eine Vermeidungstechnik. Im Tun und Machen können wir den Kontakt zu uns selbst und zu den Tiefen unserer Seele vermeiden. Wir lassen uns nicht wirklich ein auf das, worum es im Tiefsten geht: um Gefühle, um Berührtsein. Wir achten nicht auf das wirkliche Sehen und Hören auf das, was hinter den Dingen und Worten steckt. Wir haben Angst, die Kontrolle zu verlieren, wenn wir ganz in eine Situation eintauchen, und bleiben lieber an der Obefläche – bei Gedanken, Konzepten und Erklärungen. Der Weg zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen und zum Kern der Dinge verläuft über das Üben von Achtsamkeit.“ (tbc)

Anselm Grün, Spirituell Zeit gestalten, Münsterschwarzach 2008, S. 103.