24-Stunden-Gebet

Unsere Welt befindet sich in einer gewaltigen Umbruchssituation. Die politischen Verhältnisse werden immer unsicherer, Machthaber unberechenbarer, Grenzen verschieben sich, Mauern werden gebaut, Menschen flüchten aus Ihrer Heimat und das Klima wandelt sich. Das Leben in unserer pluralisierten Gesellschaft wird komplexer. Viele Menschen erzählen mir von Erschöpfung, vom Zuviel im Alltag und von ihrer Sehnsucht nach Ruhe und innerem Frieden. Diese Sehnsucht ist im letzten eine spirituelle Sehnsucht. Studien belegen: In vielen von uns (vielleicht sogar uns allen) herrscht eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Frieden und einer neuen Spiritualität. – Nur: Wo können wir das bzw. sie finden?

Jesus Christus sagt uns im Wochenspruch für die kommende Woche aus Matthäus 11,28:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Wie aber können wir zu Jesus Christus kommen? Ein Weg neben vielen anderen Möglichkeiten ist das Gebet. Ich habe es selbst erleben dürfen, als ich „mühselig und beladen“ war: Mir half es, zur Ruhe zu kommen und mich im Gebet an Gott zu wenden; ihm zu sagen, was mir auf der Seele lag; ihm zu danken, dass ich trotzdem auch Dinge in meinem Leben finden durfte, die gut waren. Zum Teil verbrachte ich (je nach dem mir zeitlich Möglichen) auch längere Zeit im Gebet, zum Teil mehrere Stunden. Das führt mich in einen Zustand der Ruhe und des Friedens.

Am 22. und 23. Juni 2018 (ab 18:00 Uhr) findet im Schloss Wallhausen ein 24-Stunden-Gebet statt. Dort besteht die Möglichkeit, lange Zeit im Gebet zu verbringen – auf ganz unterschiedliche Weise. Lobgesänge, Taizé-Gebet, Gebetsangebot für Kinder, Wort Gottes, Chorgesang – alles Mögliche wird dort auf ökumenischer Ebene angeboten. „Kommen Sie doch her zu mir, wenn Sie mühselig und beladen sind; Gott wird Sie erquicken“. Und wenn es nur für eine Stunde ist. Ich weiß vom letzten Jahr, wie erfrischend und wohltuend dieses Angebot für mich persönlich war.

(Artikel erschienen in Öffentlicher Anzeiger vom 08.06.18)

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Wir warten

Wir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Wir warten, aber wir warten nicht mit gefalteten Händen im Schoß. Wir warten mit betenden Herzen und arbeitenden Händen.

Wir lassen uns nicht lähmen durch Resignation und nicht fesseln von eigensüchtigen Interessen.

Wir warten und hoffen auf eine neue Erde – und ein Stück vom Himmel ist immer in unseren Herzen, und auch durch die dunklen Wolken strahlt die Sonne der Hoffnung und der Freude auf, weil wir mit Gottes Verheißung leben.

WIR LEBEN!

Quito, Ecuador, März 1989 – gefunden auf einem Zettel, der mir gestern (!) aus meiner Bibel fiel! #ParisAttack 13.11.15; Absage #GERNED 16.11.15

pass auf, kleines auge!

Die Losungen der beiden letzten Tage inspirieren mich.

Losung vom 07.07.15:

Lass deine AUGEN offen stehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. – 1. Könige 8,29

Losung vom 08.07.15:

Eure AUGEN haben die großen Werke des HERRN gesehen, die er getan hat. – 5. Mose 11,7

Als Kinder haben wir immer das Lied gesungen: „Pass auf, kleines Auge, was Du siehst“. Eigentlich schrecklich, denn uns wurde beigebracht, dass Gott alles sieht – jede Sünde, die wir tun. Deswegen sollten wir ja auch aufpassen. Es hatte also eine eher negative und Druck erzeugende Wirkung. Das Lied kennt unterschiedliche Textvarianten. Ursprünglich stammt es aus dem angelsächsischen Bereich. Dort lautet der Kehrvers:

There’s a Father up above
and He’s looking down in love.

Auf Deutsch könnten wir singen: „Denn der Vater im Himmel schaut herab in Liebe!“ Ein ganz anderer Ton.

Der Lehrtext der Losung vom 07.07.15 verdeutlicht, worauf Gott seine Augen richtet: Nicht auf Häuser, Gebäude, Kirchen (auf die auch, ja!). – Aber vielmehr auf uns Menschen, die wir „SEIN Haus sind“ (Hebräer 3,6). Und er schaut mit liebevollem Blick auf uns. Denn der Vater im Himmel hat dich lieb (andere dt. Textvariante der zweiten Zeile des Kehrverses). Wir haben ein Ansehen bei Gott. Wir sind wer – vor Ihm und für Ihn. Deshalb dürfen wir auch von dem, was wir (!) gesehen und gehört haben, allen Menschen verkündigen, damit immer mehr den Weg zur und in die „Gemeinschaft der Angesehenen“ finden (vgl. 1.Joh 1,3).

In einem Gespräch wurde mir kürzlich wieder bewusst: Ich darf Acht haben auf mich. Auf das, was ich sehe, was ich höre, was ich spreche, was ich denke, was meine Hand tut, wohin ich gehe. Ich darf Acht haben auf mich in meinem So-Sein. Ich darf sein, wer ich bin, denn Gott hat mich so geschaffen, wie ich bin. Und ich darf Gott einladen, in mir zu wohnen. Ich muss nicht alles glauben, was mir die Leute vorgaukeln, wer ich zu sein hätte oder scheine.

Pass auf, kleines Herz, wer in dir wohnt.

Nicht nur wer, sondern welche Gedanken in mir wohnen, wie ich mich selbst sehe, über mich denke, rede und mit mir umgehe. Manchmal sehen unsere Augen nur das Schlechte – das, was wir nicht dürfen. Wir reden uns Dinge ein, die nicht wirklich sind. Wirklich ist das, was für das Auge unsichtbar ist – für das innere Auge jedoch sichtbar. Und wirklich ist: Wir sind SEIN HAUS. Was wir darin wohl alles so sehen und erkennen können? Pass auf, kleines Auge, was Du an Dir siehst – und überprüfe, ob es tatsächlich der Wahrheit entspricht, oder Dir nur vorgegaukelt wird. Der Vater im Himmel jedenfalls, hat dich lieb!

einladung

Bad Kreuznach ist eine sehr einladende Stadt. Vor rund zwei Wochen lud sie zum Weinfestival an den Mühlenteich bzw. vor die Pauluskirche ein. Ein herrlicher Ort, um in lauen Sommernächten die Edelsteine der Nahe zu genießen und jede Menge netter Leute zu treffen. – Und am letzten Donnerstag folgten wieder Tausende der Einladung zum Firmenlauf Bad Kreuznach. Ein sportlich-buntes Spektakel, das die Menschen zusammenbringt.

In der Tat: Einladend und bunt ist unsere Stadt! In ihr lebt eine Vielzahl von Menschen aus unterschiedlichster Nationen, Hautfarben, Kulturen und Religionen.

Sicherlich wäre es anders, zeigte Bad Kreuznach sich nicht als einladende Stadt.

Wann bist Du das letzte Mal eingeladen worden? Wessen Einladung bist Du gefolgt? Freust Du Dich auch, wenn Du eine Einladung in Händen hältst? Zu einem Geburtstag, einer Hochzeit, einem Grillfest, einem Ausflug, einem Gottesdienst?

Manchmal sagen wir dann aus unerfindlichen Gründen ab: „Tut mir Leid – keine Zeit!“ Teils sagen wir derlei Floskeln so leicht daher. Später bereuen wir sie, weil wir einen schönen Moment im Leben dadurch verpassen.

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Dieser Vers aus Matthäus 11, Vers 28 spricht eine Einladung aus!

Gott lädt ein zum erquickenden Fest des Lebens.

Und er gibt überfließend und kostenlos. Seine Einladung gilt allen und jedem: Wohlhabenden und Armen, Nahestehenden und Fernen, Glaubenden und Zweifelnden, Mühseligen und Beladenen.

Bei solch einer Einladung zum Leben sollten wir keine Ausflüchte suchen. Schlagen Sie Gottes Einladung nicht aus, sondern setzen Sie sich an seinen Tisch zusammen mit einer bunt gemischten Gesellschaft. Hier herrscht ein Klima der gegenseitigen Achtsamkeit und Wertschätzung, Offenheit für Außenstehende und Nachsicht gegen Schwächere.

Lassen Dir das nicht entgehen. In diesem Sinne: Herzliche Einladung zum Gottesdienst!! Wir sehen uns!

(dieser Beitrag erschien in leicht veränderter Fassung am vergangenen Freitag in der Zeitung Öffentlicher Anzeiger in der Rubrik „Gedanken zum Wochenende“)

Bewegung meines Herzens

Johannes Hartl hat in diesem Sommer mit „In meinem Herzen Feuer“ ein (Feuer-)Werk seines Lebens und Denkens vorgelegt, das seinesgleichen sucht. Dankbar und gewinnbringend habe ich dieses autobiographisch angelegte Buch über seine aufregende Reise ins Gebet regelrecht verschlungen.

Ein erster Blick ins Inhaltsverzeichnis verrät noch lange nicht, was sich hinter jedem einzelnen Kapitel verbirgt: Tief gehende biographische Erfahrungen zu jedem einzelnen Thema. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich dem Leser die innere Logik und Systematik des Aufbaus. Der Autor und Gründer des Gebetshauses gewährt einen Einblick in die Seele eines Beters, der sich auf die Suche machte nach Gott, nach seiner Bestimmung und Berufung und sie schließlich – über viele Stationen über den ganzen Globus hinweg – auch fand: ein Leben des Gebets zu führen. Johannes Hartl nimmt uns mit auf eine beeindruckende, bewegende und abenteuerliche Reise. Dieses Versprechen wird absolut gehalten.

„Beten ist mehr Sein als Tun … mehr Wahrnehmen als Denken“ (S. 58) – Gebet wird zu einer „Bewegung des Herzens“. Die Essenz des Buches findet sich in diesen und vielen anderen kleinen Zitaten, die weit über den Text verstreut da liegen – gewissermaßen wie ein Erntefeld, bei dem man sich an köstlichen Früchten bedienen darf. Wo sonst erfährt man schonmal etwas über den Zusammenhang von Gebet und Schönheit, Aromen oder Kunst, Spielen, Staunen u.v.m.

Quelle aller Motivation ist die Begegnung mit und Erfahrung des Lebens Jesu Christi. „Und wer von Jesus fasziniert ist, der will mehr von ihm. Der stellt nicht mehr die Frage, was er tun muss, um gut zu leben, und was er alles nicht darf. Sondern er fragt, was seine Liebe zu Jesus fördert und was sie behindert.“ (133) Und so lernt der Leser gemeinsam mit Johannes Hartl das Staunen über Gott, denn Staunen sei der Anfang des Christentums (vgl. 136). Er begegnet Gott als unverrückbarem Mittelpunkt des Kosmos und will mit den Lobpreisleitern des Gebetshauses im Sinne von Offenbarung 4 „sehen, was die Engel sehen“ (185). Plötzlich bekommt die Zeit, die ich mir fürs Gebet nehme, eine völlig neue Qualität – es wird Zeit der Liebe, die wir im Überfluss haben. Gleichzeitig öffnet sich der Horizont des Liebenden: für ihn gibt es keinerlei Verschwendung, gerade weil er liebt. Denn: „Wer wirklich betet, dem wird das wichtig, was dem wichtig ist, den er liebt.“ (194) Die Verschwendung war bereits vorher Thema mit der ergreifenden Darstellung der Salbung in Bethanien und der nachahmenswerten Lebens- und Gebetshaltung Marias, der Schwester Marthas und Lazarus‘ (vgl. 177-181).

Seinen Höhepunkt erreicht das Buch für mich in den letzten Kapiteln, die von der Schönheit und dem Gebet als Kunst handeln. In schillernden Farben entfaltet Johannes Hartl hier seine Theologie der Schönheit und/oder Ästhetik, die sich aus allen möglichen Kunstbereichen (Musik, Bildhafte Kunst, Kochkunst usw.) speist. So wird das Gebet für mich zu etwas, das genossen werden darf und soll, denn „der Mensch ist für das Schöne erschaffen“ (211). So wird Gebet zur Kunst und als Kunst praktiziert. Diese Linie zieht sich weiter wie ein roter Faden und hinein in das Kapitel über das verliebte Gebet mit seinem Bild vom heiligen Kuss. Sehr bewegend und immer wieder lesenswert die Seiten über Jesu Umgang mit der Sünderin (216ff.; vgl. Joh 8). Ich merke, wie mich das nicht kalt lässt, dass auch ich wie die Sünderin zuerst von Gott geliebt wurde – Grundlage für das Spüren des Kusses Gottes an mir. Und so kommt es nicht von Ungefähr, dass sich auf der letzten Seite noch ein letztes Mal die Türe öffnet, besser gesagt der Hafen, der mein eigenes Gebetsschiff hinaus auf den Ozean treibt, um im Leben mit Gott einfach nur zu sein und ihn wahrzunehmen. Ich fühle mich erinnert an den lehrreichen Spruch: „Ein Schiff ist am sichersten im Hafen, doch dafür wurde es nicht gebaut.“ Das ermutigt mich, mich immer wieder von Gott an die Hand nehmen zu lassen und mit ihm in See zu stechen.

Man kann „In meinem Herzen Feuer“ auf dreierlei Art lesen: 1. In einem Durchgang von vorne bis hinten. Wer das tut, wird mit genommen auf die abenteuerliche Reise des Autors, die ihn nicht nur ins Gebet geführt hat. In vielen einzelnen kleinen und stets knappen Beiträgen aus unterschiedlichen Erlebnissen verschiedener Zeitpunkte seines Lebens entführt Johannes uns nach Kreta, auf den Athos, Jerusalem, nach Fernost, in die USA usw. Keineswegs nur nebenbei wird dabei die Geschichte des Gebetshauses Augsburg erzählt. Sie zieht sich im Grunde wie ein roter Faden durch das Werk. – 2. Lektüremöglichkeit: Wie ein Andachts- oder Gebetbuch – jedes Kapitel für sich als Einheit würdigend und sich dafür Zeit nehmend. Die knapp gehaltenen Abschnitte beleuchten je einen Aspekt aus der Welt des Gebets. Das erleichtert die Lektüre, lässt aber keineswegs den hohen Anspruch des Autors vermissen, in die Tiefendimensionen seines Erlebens Einblick zu gewähren und sich mitreißen und inspirieren zu lassen. Zum Beispiel: „Die Explosion – Gebet und Kraft“ – hier geht es um das Beziehungsgeflecht von Fasten und Gebet. Am Ende jedes Kapitels gelangt der Leser an eine „Feuerstelle“. Dort kann das Gelesene reflektiert, eingeübt werden oder sonst ein hilfreicher Impuls wird auf die je eigene Reise mitgegeben. – 3. Möglichkeit: Immer wieder ein Kapitel quer Beet lesen. Auch das hilft, sich noch einmal einen bestimmten Aspekt zu vergegenwärtigen. (Diesen Schritt empfehle ich erst nach erfolgter Lektüre und Vorgehensweise der ersten beiden Möglichkeiten.)

Mein Gebetsleben hat sich seit der Lektüre nachhaltig verändert. Danke Dir, lieber Johannes, für dieses inspirierende, ermutigende, herausfordernde, hilf- und segensreiche Buch. Ich wünsche dem Buch nach seiner zweiten noch weitere Auflagen und viele Leserinnen und Leser – und all ihnen das, was ein Leben des Gebets verheißt: Ein Leben in Fülle (Joh 10,10).

Gebetshaus Augsburg

Vor gut zwei Wochen habe ich mich mit vier Leuten (am Ende waren wir sogar sieben, aber das ist eine andere Geschichte) aufGebetshaus Augsburg gemacht zu einem Besuch im Gebetshaus Augsburg. Schon eine ganze Weile bin ich durch einen Freund und dann durch eine meiner Lobpreisleiterinnen in der Gemeinde auf deren Arbeit aufmerksam gemacht worden. Als ich dann im Urlaub das neue und absolut lesenswerte Buch von Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, las (Rezension folgt 🙂 ), war für mich klar: Diese Arbeit musst Du Dir vor Ort anschauen.

Emails hin, Messenger-Nachrichten her, am 4. September war es dann soweit. Ein Tag, der ganz neu wieder die Bedeutung des Gebets in meinem Herzen entzündet hat.

Wir wurden herzlich begrüßt von einer der Gebetshausmissionarinnen und hatten eine Stunde Zeit, uns das Haus (ging schnell) anzuschauen und ihr über die Arbeit LöGebetsraumcher in den Bauch zu fragen. Anschließend zwei für mich bewegende Stunden im Gebetsraum, die ich wohl nie vergessen werde. In einer unglaublich spirituell und geistlich dichten Stunde „betendes Bibellesen“ zu erleben, Fürbitte für Israel mithilfe von Bibeltexten, Live-Lobpreis oder aus der Dose (was uns nichts ausmachte – Vision ist immerhin 24 Stunden Live-Lobpreis zu haben) – selten war ich einfach durch das Gehen in ein „Zimmer“ so schnell in die Gegenwart Gottes gekommen wie dort. Alleine dafür bin ich dankbar. Bewegend war aber auch, die letzte halbe Stunde vor dem Abendessen miterleben zu dürfen, als alle anwesenden Gebetshausmissionare im Gebetsraum eintrafen und gemeinsam im Lobpreis mit kräftigen Stimmen Gott die Ehre gaben. Es ist immer wieder ein Segen, wenn Hauptamtliche, Leiterfiguren, gut ausgebildete Lobpreisleiter und Beter gemeinsam singen – der Sound ist schlicht gewaltig. Das Erlebnis höchst emotional. Und immer noch singt meine Seele das Lied des Abends „Bless the Lord, oh my soul“.

Lobpreis im Gebetsraum

Ein gemeinsames Abendessen mit Johannes Hartl schloss sich an. Toll, dass er sich – dass Du Dir, lieber Johannes – für uns alle so viel Zeit genommen ha(s)t!

Der Lehrabend war dann gewissermaßen ein dritter oder vierter Höhepunkt eines bis dahin ohnehin schon ereignisreichen und geistlich stärkenden Tages. Johannes Hartl legt im Augenblick das Hohelied Salomos aus und inspirierte uns alle nach einer intensiven Lobpreiszeit mit vielgestaltigen Gedanken zum Thema „Black Beauty“. Vor dem Hintergrund seiner Übersetzung des Verses aus „Ich bin schwarz – und doch schön“ (vgl. Hld 1,5) ermutigte er uns, einen der wichtigsten Aspekte seines theologischen Denkens, die Schönheit an uns selbst zu erkennen und uns selbst entsprechend der Wertschätzung und des Ansehens, das wir in den Augen Gottes haben, mit all unseren dunklen Seiten anzunehmen – uns als „schön“ zu betrachten. Gott tut es – also dürfen wir es auch tun. Ein simpler Gedanke, möchte man meinen. Aber in der Übertragung auf mich selbst oftmals äußerst schwierig umzusetzen. Der gesamte Vortrag findet sich hier:

Einige Gebete, die die Gebetshausmissionare denen anboten, die das für sich nutzen wollten, und einige leckere Cocktails (mit höchst interessanten Namen wie beispielsweise „Off 7“ – vgl. Offb 7,14) später machten wir uns nach einem langen Tag mit gefüllten und ermutigten Herzen sowie vielen neuen Impulsen auf den Heimweg. Danke an das Gebetshaus für eine segensreiche Begegnung und die Möglichkeit, einfach mal vorbei kommen zu dürfen. 🙂 Ein Tag, der wieder neu ein Feuer in meinem Herzen entfacht hat.

 

Die Sonne scheint über uns alle

Ich liebe den Sommer! Wenn ich bei Sonnenaufgang am Strand entlang jogge, muss ich an Gottes Größe und seine wiederkehrende und immer neue Güte für uns Menschen denken. Das erste Sonnenlicht taucht nach einer kühlen Sommernacht alles in ein goldenes Licht und die ersten Strahlen beginnen mich zu wärmen. Dann spüre ich: das brauche ich zum Leben. Gott meint es gut mit mir. Ohne sein Licht, seine Güte geht es einfach nicht.

Die Lichtverhältnisse bei Sonnenuntergang sind oft intensiver und vielgestaltiger. Fast alle Regenbogenfarben sind am späten Abendhimmel zu sehen. Und die Natur färbt sich je nach ihrer natürlichen Farbe (Baum, Strauch, Blume, Sand am Strand) in ein prächtiges Lichtspiel. Auch darin zeigt Gott mir seine Güte und mit den Farben des Regenbogens seine Gerechtigkeit.

Dann denke ich darüber nach, wie wir miteinander umgehen. Und ich summe das Lied, das wir im Gottesdienst manchmal singen: „die Sonne scheint über uns alle… – ich wünsche nur jedem, den Retter zu kennen, und Gott nicht nur Herr, sondern Vater zu nennen“. Gott lässt die Sonne über uns allen auf- und untergehen. Er unterscheidet nicht, schaut alle mit liebenden Augen an, möchte unser Vater sein. Diese Wahrheit ist für mich am frühen Morgen im wärmenden, wohltuenden Licht erkennbar. Dann wünsche ich mir jedes Mal, dass wir es schaffen, diese Welt in Frieden, Gerechtigkeit, mit Güte und der Wahrheit über unserem Leben zu verwalten.

„Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheserbrief, Kapitel 5, Vers 8b–9)

Dieser Aufruf des Paulus an uns drückt das vortrefflich aus: Lebt so, dass Ihr Gott als Vater erkennt und annehmt, lebt als seine untereinander gleichen Kinder, seid Lichtgestalten, die Gottes Wesen auf Erden offenbaren! So erlebt ihr untereinander die Früchte dieses Lebens mit Gott. Deshalb:

„Fang an den Tag mit Freude! Schau froh ins frühe Licht. Gott zeigt der Welt auch heute gar freundlich sein Gesicht. Er schenkt sich alle Morgen, schafft alles immer neu, und alles ruht geborgen in seiner Lieb und Treu.“ (Arno Pötzsch)

Aus Ruhe schöpferisch werden

Arbeiten im Schichtbetrieb, an Sonn- und Feiertagen, das kenne ich seit meiner Kindheit. Ich bin Teil einer Familie, in der Frauen dreier Generationen Krankenschwestern waren. Als Student habe ich selbst im Schichtbetrieb gearbeitet. Natürlich auch an Sonn- und Feiertagen. Vielen Menschen geht das auch so. Wie können wir aus dieser Perspektive über die Feiertagsheiligung reden? Gilt das Gebot immer noch? Was will der Sonntag in seiner Ur-Idee sein? Wofür gibt es ihn? Wie halten wir es mit ihm?

Ich arbeite jeden Sonntag, denn ich bin Pastor. Der Sonntag ist für mich ein ganz normalen Arbeitstag zu erleben. Mein „freier Tag“ ist der Montag. Nicht ganz leicht, ihn als freien Tag zu erleben, auch manches Mal zu verteidigen. Und mein Ruhetag beginnt leider auch nicht wie der traditionelle Sabbat mit Festessen und Andacht – am Sonntagabend. Für mich beginnt er traditionell meist mit dem Tatort und (wenn ich die Fernbedienung und mich selbst nicht im Griff habe) mit Jauch. Im Grunde ist der Montag ein ganz normaler Alltagstag. Früh morgens beginnt für die Familie die neue Woche. Schule, Kindergarten usw. Keine Ruhe oder Andacht. Stattdessen: Frühstück richten, Kinder zu Schule und Kindergarten begleiten, Einkäufe, den Tag und die Woche planen. Erst recht spät kehrt so etwas wie Ruhe ein. Zumindest bis zum (Nach-)Mittag. Der ist dann ebenfalls von Familienterminen geprägt. Den Montagabend haben meine Frau und ich dauerhaft für uns reserviert. Ganz sicher: ich bin nicht der einzige, dem es so geht.

 „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.“ (2. Mose 20,8)

Dem vierten Gebot folgt eine Liste an negativen Begründungen beginnend mit Sätzen wie „Du sollst nicht…“. Zum Beispiel: keine Arbeit tun! Die Begründung nimmt aber eine Wendung (V. 11): In sechs Tagen hat Gott die Welt geschaffen. Am siebten ruhte er. Wir sollen es ihm gleich tun. Offenbar liegt auf diesem „Es-ihm-gleich-Tun“ eine Verheißung.

Unser Sonntag erwuchs aus dem jüdischen Sabbat. Juden lassen am Sabbat alles ruhen, um der Güte Gottes und seines Schöpfungswerkes zu gedenken. Nach dem Talmud kommt der Messias dann, wenn alle Juden ein einziges Mal den Sabbat ganz einhalten. Schaffen sie es zweimal, würden sie übrigens sofort erlöst. Christen gedenken seit Einführung des Sonntags wöchentlich der Auferstehung Christi. Das Kloster Taizé etwa feiert jeden Sonntag Ostern.

Weshalb sollen auch wir heute nach so vielen tausenden von Jahren diesen Tag heiligen, also für Gott reservieren, ihm weihen? Schon die Schöpfungsgeschichte antwortet: Gott segnete diesen Tag und erklärte ihn für heilig (1. Mose 2,3). Er ist schlechthin Höhepunkt der Schöpfung. Nach allem Geschaffenen, was lebt und von Gott gesegnet wurde, segnet Gott – ja: einen Tag! Gott segnet Zeit. 24 Stunden. Das sind 1440 gesegnete Minuten. Was hat Gott sich dabei gedacht?

Der Talmud findet einen Grund dafür in der Vorwegnahme der messianischen Heilszeit. Die Schöpfung wird vollendet am Ende aller Tage – danach gibt es nur noch Sonntage! Der Mensch soll einmal in der Woche einen Vorgeschmack auf die Ewigkeit bekommen. Auf unser Sein bei Gott, das Paradies.

Einmal wöchentlich abtauchen in die Ewigkeit; besser: aufsteigen in die Herrlichkeit. Aus dieser Perspektive lassen sich die anderen Wochentage gut überstehen. Sabbatruhe – das ist also weit mehr als Beine hoch legen, Kaffee und Kuchen konsumieren, Freunde Treffen und Tatort schauen.

Um den Sabbat durchzusetzen, ergingen von Gott zahlreiche weitere Gebote, die die Sache reichlich kompliziert machten. Selbst Jesus und seine Jünger kamen dabei mit dem Gesetz in Konflikt – könnte man sagen. In zahlreiche Diskussionen wurde Jesus mit den Pharisäern allein zu dieser Frage verwickelt. In einer davon sagt Jesus etwas ganz Entscheidendes:

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.“ (Mk 2,27f.).

Nachdem die ganze Schöpfung vollendet war, wurde am Ende der Sabbat für den Menschen gemacht. Der Sabbat soll den Menschen zur Ruhe bringen. Auch er darf und soll sich wie Gott von seinem eigenen Schaffen ausruhen. Er darf den Blick wenden auf das Wesentliche seines Lebens. Durch einen einzigen gesegneten Tag erhält die ganze restliche Woche eine andere Qualität. Sie erhält den Geschmack der Unendlichkeit. Und: Wer nur arbeitet, wird den tieferen Sinn dahinter nicht erkennen.

Auch Geschaffene sind Schaffende! Und unser Schaffen kann nur schöpferisch bleiben, wenn wir von Zeit zu Zeit zur nötigen Ruhe finden und uns auf das Wesentliche besinnen. Einmal in der Woche sich selbst ganz bewusst dem Gedanken aussetzen, dass wir auf unser ewiges Miteinander mit Gott zugehen. Wir werden an seinem Tisch sitzen, mit ihm das Mahl halten und Gemeinschaft haben. Einen Vorgeschmack dessen will uns der Feiertag sein: Gott begegnen im Gottesdienst, im Gebet, im Gesang, im Lesen und Hören seines Wortes, im gemeinsamen Festessen, dem Genuss von Speisen und Getränken, nicht zuletzt am Tisch des Herrn. Eine Feier soll stattfinden an jedem Feier-Tag. Sonst hieße er anders.

Gott führt uns in der Ruhe zu sich selbst. Und das Bei-Ihm-Sein ist Grund zum Feiern. Es braucht nur unsere innere Bereitschaft, zur Ruhe kommen zu wollen. Wo wir uns darauf einlassen, tauchen wir ein in ein geheimnisvolles Miteinander mit Gott.

Es ist nicht wichtig, wann und wo wir „unseren“ Feiertag heiligen. Wichtig ist, dass wir es tun und dass wir es regelmäßig tun. Geht es am Sonntag mit Gottesdienst und Gemeinschaft nicht, dann vielleicht alleine am Montagvormittag, wenn alle aus dem Haus sind, Dienstagabend im Hauskreis, Donnerstag im Lobpreisabend. Egal wie: Nur, wer von Zeit zu Zeit zur Ruhe kommt, kommt in den Genuss der Herrlichkeit Gottes schon jetzt. Das gibt neue Kraft für den Alltag und lässt uns schöpferisch bleiben.

„Selber denken“

Aschermittwoch – Gedanken zur Fastenaktion 2014

Die Fastenzeit hat begonnen. Noch sieben Wochen bis Ostern. Sieben Wochen Zeit für Christen weltweit, sich auf das für sie Wesentliche zu besinnen.

„Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten“ lautet die Fastenaktion 2014 der Evangelischen Kirche. Zum „Selber denken“ werden wir ermuntert. Sich nicht so viel einreden lassen.

Fernsehen, Radio, Internet, soziale Netzwerke usw. versuchen uns immer wieder mit Gewissheiten zu versorgen, die sich bei näherer Betrachtung als Unwahrheiten herausstellen (können). Sorglos setzen wir das Häkchen bei den AGB beim Internetkauf, vertrauen WhatsApp und Facebook unsere Daten an, glauben vermeintlichen kostenlosen Angeboten, die später doch Geld kosten. Nun also sieben Wochen selber Denken! Nachfragen und Neudenken sind gefragt. Aber: Was hat das mit Fasten zu tun?

Der deutsche Begriff „Fasten“ bedeutet ursprünglich „(an etwas) festhalten“, „beobachten“, „bewachen“,„sich (selbst) entscheiden“. Das heißt konkret: Ich entscheide mich selbst. Ich halte daran fest, selber zu denken. Ich verlasse mich nicht (mehr) auf falsche Gewissheiten. Ich benutze meinen eigenen Kopf.

Was für ein „Selbst-Denkertyp“ sind Sie? Die Evangelische Kirche bietet den ultimativen Test an. 😉 Der fragt am Schluss fast schon ironisch, weshalb man den Test überhaupt mitmacht. Mit meinem Ergebnis bin ich ganz zufrieden: „Blind einer Herde hinterher laufen, gefällt Ihnen gar nicht. Vermeintlich unumstößliche Wahrheiten sind für Sie oft nur Meinungen, die sich durchgesetzt haben. Schön, dass Sie so viel überlegen.“ Na gut, denke ich, dann denke ich mal selbst und fest entschlossen weiter. Nur: Worüber? Natürlich: Über das Leben!

Erst vor kurzem haben wir die umstrittenen Olympischen Spiele in Sotchi und die Revolution in der Ukraine erlebt. Auch wir stecken mittendrin in unserer Lebens- und Gesellschaftsgestaltung. Auch bei uns herrschen soziale Not, Kinderarmut, Hilfsbedürftigkeit. Wie denken wir über Ungerechtigkeit, Lüge, Neid, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Parteiungen? Und was tun wir dagegen? Wie kann das Leben geprägt sein von Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Treue, Respekt, Wertschätzung, Achtung, Gerechtigkeit?

Dazu einige Gedanken über den Anlass der Fastenzeit: Das nahende Osterfest. Da lebt einer ein vorbildliches Leben und macht sich damit extrem unbeliebt. Er wird deshalb zum Tode verurteilt, hingerichtet und erleidet einen qualvollen, erniedrigenden und entwürdigenden Tod. Und: Sein Tod bleibt nicht nutzlos. Er ist beispielhaft! Jesus Christus stirbt nicht „für eine gute Sache“. Er stirbt selbstbestimmt, um als lebendiger, auferstandener Gott, der den Tod besiegt hat, wiederzukehren. „Ich lebe – und ihr sollt auch leben!“, sagt Jesus uns. Seit Ostern steht fest: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und eine Lebensperspektive, die über den Tod hinaus reicht, macht unser Leben lebenswert, sinnvoll – auch und gerade in Notzeiten.

Nach längerem Nachdenken reift in mir jetzt die wahre Gewissheit: Der lebendige Gott gibt meinem Leben Sinn und Perspektive! Das wird meinen Alltag und mein Handeln nachhaltig verändern – hoffentlich! Und ich lasse mir nicht mehr so viel einreden – auch: hoffentlich.

Denken Sie doch mal drüber nach.