IceBucketChallenge

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ich zur IceBucketChallenge nominiert wurde. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Josef Adugna von SUNA, der dies in seiner charmanten Art gestern getan hat.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich normalerweise für alle möglichen Späße zu haben bin – und freilich habe ich auch bei dieser „lustigen Aktion“ mitgemacht. Aber eigentlich ist es keine wirklich lustige Aktion (mehr), weil es um ein sehr ernstes Thema geht.

Der Hintergrund für diese Aktion ist ein Spendenaufruf zur Unterstützung der ALS-Forschung. Ich persönlich stehe der ganzen Sache kritisch gegenüber – aber das erkläre ich im Video hinreichend und knapp.

Wer ausführlichere Hinweise sucht, sei an Julia Probsts Blog verwiesen, die die Sache vortrefflich auf den Punkt bringt und mich zu meiner eigenen Entscheidung inspiriert hat. Danke an der Stelle! 🙂

 

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„I have a Dream“

Die berühmte Rede des Baptistenpastors Martin Luther King wird heute 50 Jahre alt.

An Aktualität hat sie nichts verloren und ist nach wie vor eine der wichtigsten und inspirierendsten Reden der letzten Jahre.

Ein interessanter und lesenswerter Artikel dazu findet sich in der Onlineausgabe der Wochenzeitschrift DIE ZEIT.

reichtum 21

Heute ist Erntedanktag.

Ich liebe diesen Tag im Kirchenjahr besonders. Schon als Kind habe ich mich darauf gefreut: Weil wir Kinder uns nach dem Gottesdienst immer an den Früchten am Erntedanktisch bedient haben. Die frischen Trauben, eine Banane – alles geschenkt! 🙂

Der Erntedanktag zeigt uns auch unseren Reichtum. Im 21. Jahrhundert geht es immer mehr darum, dass die Menschheit in Versorgungsengpässe gerät. Gut, das erleben wir in Europa vielleicht nicht so sehr. Zumindest diejenigen unter uns nicht, die (noch) nicht von Hartz IV betroffen sind. In dieser Woche gab es in unserer Stadt eine ACK-Veranstaltung mit dem Titel „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“. Das war herausfordernd und beschämend zugleich: Auch in meiner Stadt gibt es Arme, die sich kaum die Butter auf dem Brot leisten können. WARUM lasse ich das zu?

Und dann Erntedank: Das Fest, das vom Dank an Gott für seine gute Gabe (auf den Feldern) geprägt sein soll. Eine Versorgung, die allen gilt, weil vor Gott alle gleich sind. Eine Versorgung, die allen zugetan werden soll – zumindest dachte Gott sich das so…

Wir sind reich – steinreich – und wir könnten mit unserem Reichtum die Welt versorgen. KEINER müsste hungern. KEINER müsste isoliert um seine Existenz kämpfen. „Reichtum 21“ sieht so aus, dass alle alles miteinander teilen, und dass daraus Segen für alle entsteht.

Während sich in Stuttgart die Mächtigen und Gewalten wegen Stuttgart 21 die Köpfe einschlagen, ein Milliardenprojekt, müssen in der gleichen Stadt Menschen hoffen, dass sie ein Dach über dem Kopf haben für die nächste Nacht, dass sie etwas zum Essen bekommen am nächsten Tag usw.

Reichtum 21 heißt für mich: Ich lasse mich von Gott verwandeln zu einer „guten Gabe“ für eine bessere Welt. Ich lasse mich gebrauchen als gute Gabe, damit alle gleich viel zur Verfügung haben. Ich werde als Teil der Kirche zur lebendigen Eucharistie und sorge mit der Gemeinschaft dafür, dass denjenigen Recht widerfährt, die entrechtet ist. Ich lasse aus mir Segen fließen, damit ein Stück des Reichtums wieder an Gott zurück kommt. Denn eins ist auch klar: Reichtum 21, das gäbe es nicht, wenn Gott nicht wär. Denn aller Reichtum kommt von Gott.

Erntedanktag, 20 Jahre Deutsche Einheit – lies mal unter diesem Gesichtspunkt Epheser 2,17-18.

begegnung mit dem EINEN

„Die Welt ist ein Labyrinth voller Irrungen, voll vergelblicher Mühe und voller Enttäuschungen, denn wir kennen das Nötige nicht, weil wir unsere Mühe auf die Erreichung des Unnötigen verwenden, und die Vielgeschäftigkeit, in die das Verlangen nach Neuem uns treibt und verwickelt, ist unser Verderben.
Gott ruft uns zur Begegnung mit dem Einen, der gekommen ist, damit wir das Leben und volle Genüge haben.“

Johann Amos Comenius

Wie oft sind wir in unseren Gemeinden doch damit beschäftigt, vielgeschäftig das Unnötige erreichen zu wollen. Dabei würde es Gottes Ansprüchen absolut genügen, wenn wir unsere Vielgeschäftigkeit in der Begegnung mit dem Einen aufgehen lassen würden. Ich denke an Matthäus 25,40 – die Begegnung mit dem Einen können wir gerade in unserer Vielgeschäftigkeit des Alltags erleben, nämlich da, wo wir einem Menschen an der Kasse den Vortritt lassen, wo wir ein junges Ehepaar mit seinem Neugeborenen nicht im Regen stehen lassen sondern nach Hause fahren, oder da, wo wir einfach nur ein gutes Wort an einen anderen Menschen weitergeben, dem so Wertschätzung und die Achtung seiner Würde widerfährt. „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Begegnung mit dem Einen. Ich möchte es mehr und mehr lernen, in meinem Gegenüber, jedem (!) Gegenüber den Einen zu sehen, mein Gegenüber mit den Augen des Einen zu sehen.

Kein Alkohol

Seit einigen Monaten schon ist u.a. auch meine Gemeinde an einer Initiative in Bad Kreuznach beteiligt, die sich um das „Problem“ des überdimensionierten Alkoholgenusses und dessen Folgen für die Gesellschaft verursacht durch bis zu 200 Jugendliche kümmert. Allwöchentlich – und nicht nur in der milden bis warmen Jahreszeit – treffen sich Jugendliche am sogenannten „REWE-Treff“ in Bad Kreuznach (Nähe kreuznacher diakonie, Lina-Hilger-Gymnasium) und sorgen leider in dann zu fortgeschrittener Zeit alkoholisiertem Zustand dafür, dass beispielsweise Rollifahrer aufgrund von Scherben nicht mehr ungehindert zum Supermarkt kommen.

Dieses Problems und seiner Lösung hat sich wie gesagt eine Initiative bestehend aus Vertretern ganz unterschiedlicher Institutionen unserer Stadt (kreuznacher diakonie, Lina-Hilger-Gymnasium, Polizei, Ordnungsamt,  Stadtjugendförderung, Jugendamt, Baptistengemeinde, Kreuznacher Alternative Jugend e.V., Anwohnerschaft) angenommen. Dabei wurde nicht nur der Alkoholkonsum als Problem festgestellt und diskutiert, sondern auch die – zumindest für manche Jugendliche geltende und – aus diesem Verhalten ablesbare soziale Not. Gleichwohl wurden dennoch auch Möglichkeiten diskutiert, den Alkoholkonsum etwa seitens der Stadt in gewissen Zeiträumen und an öffentlichen Plätzen einzuschränken oder ganz zu verhindern.

Einen bedeutsamen Schritt in diese Richtung geht seit heute die Stadt Stuttgart (wir Schwaben sind eben fortschrittlich 🙂 ), wie heute online bei http://www.swr.de zu lesen ist:

Kein Alkoholverkauf mehr in der Nacht

Ab heute gilt in Baden-Württemberg ein nächtliches Alkoholverkaufsverbot. An Tankstellen, Kiosken und in Supermärkten darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Die Regelung ist bundesweit einzigartig und soll Saufgelage von Jugendlichen verhindern.

Der ganze Artikel hier.

WACHSEN – im Glauben, Lieben und Leiten

Es war einer der besten Kongresse, auf denen ich je gewesen bin – wenn nicht sogar der besten Willow Creek-Kongress überhaupt (natürlich abgesehen vom Leadership Summit bei Willow Creek in Chicago 1999 🙂 )

„Wachsen – im Glauben, Lieben und Leiten“ – der Titel war Programm. In jeder der einzelnen Sessions bot sich die Möglichkeit, das eigene „Wachsen“ zu befördern, sich motivieren zu lassen und auf dem Weg hin zu einem christuszentrierten, das heißt (kurz:) mündigen Christen, der das Vorbild Christi versucht nachzuahmen, einen Schritt vorwärts zu kommen.

Als guter Baptist und alter GJW-Hase muss ich gestehen, waren einzelne Inhalte nicht gerade neu für mich: Zum Beispiel gerade der Aspekt der „Christuszentriertheit“, den das „up to you“-Konzept des GJW schon seit langem kennt. Und auch die von Dr. Larry Crabb aufgezeigten Aspekte unseres menschlichen Daseins, die sich unter der Oberfläche abspielen und doch so viel mit dem zu tun haben, was wir an und über der Oberfläche tun, sind für einen Studierenden bei Olaf Kormannshaus alles andere als neu… 😉

ABER: Insgesamt hat der Kongress gehalten, was er versprach: Es waren inspirierende Stunden, die ermutigt haben, in der Kirche mit dafür zu arbeiten, dass die frohe Botschaft von der Hoffnung der Welt sich weiter ausbreitet. Dabei wurden zum einen Vorträge gehalten, die ganz existenziell mit mir selbst zu tun hatten (John Ortberg, Bill Hybels, Dr. Larry Crabb); da wurden aber auch Beispiele genannt, wie Christen sozialer Armut begegnen, wo Gemeinden die Armut in ihrerm Umfeld bekämpfen und Menschen eine neue Heimat und hilfreiche, konstruktive Gemeinschaft vorfinden.

Ganz besonders beeindruckend: Die Arbeit von Kiva, einer Institution für Mikrofinanzierung, um Armen Kleinstkredite zu gewähren, damit sie aus eigener Kraft einen Weg aus der Armut finden.

Inspirierend aber auch der Vortrag von Pastor Craig Groeschel „Das gewisse Etwas erreichen und behalten“. „Wenn Du Menschen erreichen willst, die sonst niemand erreicht, mußt Du Dinge tun, die sonst keiner tut.“ Sehr herausfordernd war das, sich selbst diese Frage zu stellen, ob man selbst und seine Gemeinde das „gewisse Etwas“ hat.

Spannend, erfrischend und nachdenklich zugleich der Beitrag von Prof. Dr. Johannes Reimer über die soziale Verantwortung der Gemeinde, und wie sie durch deren Wahrung zu Wachstum gelangt. Reimer machte die Notwendigkeit einer engen Vernetzung von Kirche mit ihrer Stadt/Gesellschaft deutlich, um als Kirche sozial relevant für die Gesellschaft zu sein und so Wachstum zu ermöglichen.

Enttäuschend allerdings der Vortrag „Sicher sicher führen lernen“ von Prof. Dr. F. Malik, welchem entweder nicht bewußt war, wo er sich befand, oder der einfach nur schlecht vorbereitet war. Von einem Mann dieses Formats erwartet und erhofft man mehr. So bekam man einen Abriss seiner Lehre präsentiert verbunden mit dem Hinweis und der Bitte um Verständnis, dass in so kurzer Zeit zum Thema nicht alles gesagt werden könne, weshalb nun alle über 8000 Teilnehmer einen Login auf der Homepage von Prof. Malik erhielten – zum Download detaillierter Informationen zum Thema…

Malik betonte übrigens die Bedeutung des World Economic Forum, das zeitgleich in Davos begann. Bill Hybels kommentierte dies gegen Ende der Konferenz in Karlsruhe als bei weitem weniger effektiv und relevant denn das Treffen der Kirchenleitenden in Karlsruhe.

Fazit: Für mich gab der Kongress vor allem eines: Motivationsschub für die Gemeindearbeit vor Ort. Dass dabei die Arbeit an einem selbst niemals aufhören darf, versteht sich von selbst. Es war aber gut, dass dies – endlich auch bei Willow – gesagt wurde.

Tag der deutschen Einheit

Lieber Gott und Herr!
Setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.  Schenke uns und unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.  Bessere jene Beamte, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind, und lasse die, die rechtschaffen sind, auch Recht schaffen. Sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber wenn du es willst, noch nicht gleich.
(Gebet eines Pfarrers aus dem Jahre 1864)

„Nix wie enunner“ und der Bischof

In der letzten Woche fanden gleich zwei herausragende Ereignisse in Bad Kreuznach statt, die unterschiedlicher nicht sein konnten und doch in eigentümlicher Weise wieder auch irgendwie zusammenpaßten, betrachtet man sie beide nämlich vor dem Hintergrund der Ethik, die sich als Theorieunternehmen mit dem gemeinschaftlichen Handeln und insbesondere mit dessen Gelingen befaßt:

1. Zum einen war da der berühmte Kreuznacher Jahrmarkt, für den manch eingefleischtes „Kreuznacher Gässje“ (so nennt man hier den Eingeborenen schlechthin) Urlaub nimmt, richtig viel Kohle anspart, um diese dann los zu werden, und: von dem das Gässje so begeistert und überzeugt zu sein scheint als DEM größten, was es gibt, dass es für es nichts Größeres gibt – für einen Schwaben in der Diaspora, der mit dem Cannstatter Wasen aufgewachsen ist, freilich ein Witz an und für sich. 🙂

Egal: Meinen Töchtern hat es sichtlich gefallen und auch mir – wenn ich leider auch feststellen mußte, dass der Lärmpegel und die Hitze von über 30°C nicht mehr so ganz mein Fall sind. Aber normalerweise – also, wenn ich keine Kinder im Kleinkindalter hätte – würde ich ja auch erst „nix wie ennuner“ gehen, wenn die Sonne untergegangen ist…

2. Das zweite herausragende Ereignis war dann der Vortrag von Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber über „Freiheit und Verantwortung – Unternehmerisches Handeln in christlicher Perspektive“. Nach den üblichen Ehrungen (und übrigens vor einem unsäglichen und unerträglichen Schlusswort!) kam dieser vor einem erlesenen und mit Polit- und Wirtschaftsprominenz gut bestückten Publikum schnell zu Wort und und analysierte zunächst die Situation der Wirtschaftskrise derzeit, um dann Verantwortung und Freiheit bzw. „verantwortete Freiheit“ als die oberste Maxime allen wirtschaftsethischen Handelns darzustellen. Harmonie, Disziplin, Zusammenspiel und Demut seien die Schlagworte, mit denen ein vernünftiges Ethikkonzept einherzugehen habe.

Ein einem zweiten Schritt stellte Huber die Frage, was bzw. welche Werte den notwendigen Prozeß des Wandels tragen. Hier insitierte Bischof Huber insbesondere auf die Vorbildfunktion von Personen mit herausragender Verantwortung, sprich: Personen des öffentlichen Lebens wie Manager, Politiker, Führende in Wirtschaftsunternehmen aber auch Kirchen. Eine „klare ethische Grundhaltung gehört zur professionellen Grundausstattung“ dieser Vorbilder, so Huber. Und so sei die Bedeutung der 10 Gebote gerade in dieser Zeit neu hervorzuheben und stark zu machen.

In einem dritten Schritt entfaltete der Vortrag dann den Aspekt des „Vertrauen erneuern“. Vertrauen sei eben abhängig von der Vorbildfunktion der Personen des öffentlichen Lebens und steht und fällt mit dem jeweiligen Ausfüllen dieser Funktion. Der Aufbau von Vertrauen sei dabei wesentlich schwerer als derjenige von Kapital, weshalb Huber – Calvin zitierend – zu seinem Schlussfazit kommt: „Die weitaus klarste Regel ist also die: wir sollen von unserer Freiheit Gebrauch machen, wo es zur Auferbauung unseres Nächsten dienst; wenn es dem Nächsten aber nicht dazu dient, so sollen wir auf sie verzichten!“ (Inst. III, 19,12) – Das ist es, was Bischof Huber unter verantworteter Freiheit letztlich versteht. – Und hier schließt sich der Kreis wieder: Auferbauung des Nächsten durch den Gebrauch eigener Freiheit, das konnte man beim Bischof hören und auf der Pfingstwiese irgendwie auch ein bißchen erleben. 🙂

Besuche, Besuche, Besuche…

Nachdem ich in meiner Eigenschaft als Pastor im Mai auf dem Bundesrat der Baptisten in Hamburg war und dort im Rahmen der 175 Jahr-Feier erfuhr, dass unser Kirchengründer Johann Gehard Oncken seinen Täuflingen folgende Frage gestellt hat: „Was willst Du für Christus tun?“ – also, nachdem ich das alles gehört habe, habe ich es mir – auch aufgrund der Erfahrungen von nicht zuletzt „Ringschule wirtschaftet“, so mancher guter Lektüre (etwa Shane Claiborne oder jüngst Reimer) usw. – zur Aufgabe für meinen Sommer gemacht, alle Gemeindeglieder meiner Gemeinde zuhause zu besuchen, um mit ihnen über die Gemeinde, das Leben, Gott und Ihren Beitrag im Reich Gottes zu sprechen.

Nach den ersten Besuchen mache ich folgende Erfahrung: Es gibt mehr Aktivität unter uns, als man glaubt! Viele Menschen betätigen sich in ihrem Selbstverständnis als Christen gerne im Hintergrund, hinter den Kulissen – und das oftmals seit mehreren Jahren – ganz still, unentdeckt – aber treu! Das finde ich prima, denn genau hier findet gesellschaftsrelevantes christliches Handeln statt. Und das macht mir Mut, weitere Besuche zu machen.

Wenn ich auch nicht mein mir vorgegebenes Ziel erreichen werde (zeitlich gesehen), so freue ich mich auf jede Begegnung aufs Neue und bin gespannt, wann ich alle gut 100 Leutchen besucht haben werde. Der Erkenntnisgewinn ist jedenfalls enorm – (nicht nur!) im Kollegenkreis sehr zur Nachahmung weiterzuempfehlen!