November – Schauen Sie mal hin

Endlich ist es wieder soweit! Der November hat begonnen – Zeit für lange Abende mit viel Kerzenschein, kaltes Wetter und (hoffentlich) warme Wohnungen, Feuer im Kamin, heimelig-wohlige Atmosphäre. Ja, auch die kalte, dunkle, graue und ungemütliche Jahreszeit kann schön sein. Nur noch drei Sonntage, dann beginnt die Adventszeit mit ihren Weihnachtsmärkten: Zeit der kommenden Weihnachtsfreude, sich gegenseitig beschenken und erfreuen. Schön!

Es könnte alles so schön sein… Für viele markiert der November den Beginn der schlimmsten Jahreszeit. Lange Nächte, kurze Tage bedeuten auch Winterdepression, Unwohlsein, Einsamkeit, Kälte. –Und schlechtes Gewissen: Was wird aus den Flüchtlingen, die in Hallen leben, teils nicht genug warme Kleidung haben? Anderen bereitet allein ihre Anwesenheit Kopfzerbrechen und schürt Ängste. Und dann noch die Konflikte in den Familien, Ehekrisen, Überbelastungen, Stress – alles wirkt ganz anders als im Sommer. Was kommt da nur auf uns zu?

Paulus schreibt: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils.“ (2. Korinther 6,2b) – Wir dürfen erkennen und erleben, dass Gott sich uns nahen will. Derjenige, an dessen Kommen in die Welt wir uns bald wieder erinnern, möchte Herr unseres Lebens sein: nicht als Herrscher oder Diktator, sondern als Begleiter, Helfer, Friedensbringer, Tröster, Beistand.

Meine Erfahrung: Ich erlebe diese „Zeit der Gnade“ und „Tage des Heils“ deshalb zu wenig oder nicht, weil ich viel zu oft anderen Gedanken Raum geben, die mich davon abhalten. Deshalb fordert Paulus uns auf: „Siehe!“ – Schau hin! Mach die Augen auf! – Weite den Blick für die Dinge Deines Lebens, die wesentlich sind. Auf was schaust Du in Deinem Leben am meisten? Welchen Gefühlen und Gedanken gibst Du zu viel Raum und Macht, sodass das Gute verdeckt bleibt?

Ganz oft in unserem Leben haben wir es selbst in der Hand, welche Dinge wir zulassen und über uns Macht geben. Dementsprechend sind die Auswirkungen unseres täglichen Erlebens.

Wie wäre es, in einen Gottesdienst in einer der vielen Kirchen unserer Stadt zu gehen, um dort ermutigende Worte in einer sonst tristen Jahreszeit zu empfangen? Wie wäre es, wenn wir unsere Berührungsängste durch Kontakte mit Flüchtlingen behandeln würden? Ein, zwei Stunden Ehrenamt pro Woche vielleicht? Wie wäre es, wieder einmal ein gutes Buch zu lesen, das die Phantasie anregt und zur Inspirationsquelle für den Alltag wird? Wie wäre es, endlich einen Arzt oder Berater aufzusuchen, um Depression oder Konflikte wirksam zu behandeln? Wie wäre es, einen Abend pro Woche für die Partnerschaft zu reservieren? Einen Spielenachmittag mit den Kindern zu vereinbaren? Das hilft Ehe und Familie, in sich gegenseitig wertschätzender Atmosphäre ein gewinnbringendes und sinnerfülltes Miteinander zu gestalten.

Vieles haben wir selbst in der Hand. Den Rest schenkt Gott. Schauen Sie mal hin!

(Erschienen am 05.11.15 in „Kreuznacher Rundschau“)

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