„Nix wie enunner“ und der Bischof

In der letzten Woche fanden gleich zwei herausragende Ereignisse in Bad Kreuznach statt, die unterschiedlicher nicht sein konnten und doch in eigentümlicher Weise wieder auch irgendwie zusammenpaßten, betrachtet man sie beide nämlich vor dem Hintergrund der Ethik, die sich als Theorieunternehmen mit dem gemeinschaftlichen Handeln und insbesondere mit dessen Gelingen befaßt:

1. Zum einen war da der berühmte Kreuznacher Jahrmarkt, für den manch eingefleischtes „Kreuznacher Gässje“ (so nennt man hier den Eingeborenen schlechthin) Urlaub nimmt, richtig viel Kohle anspart, um diese dann los zu werden, und: von dem das Gässje so begeistert und überzeugt zu sein scheint als DEM größten, was es gibt, dass es für es nichts Größeres gibt – für einen Schwaben in der Diaspora, der mit dem Cannstatter Wasen aufgewachsen ist, freilich ein Witz an und für sich. 🙂

Egal: Meinen Töchtern hat es sichtlich gefallen und auch mir – wenn ich leider auch feststellen mußte, dass der Lärmpegel und die Hitze von über 30°C nicht mehr so ganz mein Fall sind. Aber normalerweise – also, wenn ich keine Kinder im Kleinkindalter hätte – würde ich ja auch erst „nix wie ennuner“ gehen, wenn die Sonne untergegangen ist…

2. Das zweite herausragende Ereignis war dann der Vortrag von Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber über „Freiheit und Verantwortung – Unternehmerisches Handeln in christlicher Perspektive“. Nach den üblichen Ehrungen (und übrigens vor einem unsäglichen und unerträglichen Schlusswort!) kam dieser vor einem erlesenen und mit Polit- und Wirtschaftsprominenz gut bestückten Publikum schnell zu Wort und und analysierte zunächst die Situation der Wirtschaftskrise derzeit, um dann Verantwortung und Freiheit bzw. „verantwortete Freiheit“ als die oberste Maxime allen wirtschaftsethischen Handelns darzustellen. Harmonie, Disziplin, Zusammenspiel und Demut seien die Schlagworte, mit denen ein vernünftiges Ethikkonzept einherzugehen habe.

Ein einem zweiten Schritt stellte Huber die Frage, was bzw. welche Werte den notwendigen Prozeß des Wandels tragen. Hier insitierte Bischof Huber insbesondere auf die Vorbildfunktion von Personen mit herausragender Verantwortung, sprich: Personen des öffentlichen Lebens wie Manager, Politiker, Führende in Wirtschaftsunternehmen aber auch Kirchen. Eine „klare ethische Grundhaltung gehört zur professionellen Grundausstattung“ dieser Vorbilder, so Huber. Und so sei die Bedeutung der 10 Gebote gerade in dieser Zeit neu hervorzuheben und stark zu machen.

In einem dritten Schritt entfaltete der Vortrag dann den Aspekt des „Vertrauen erneuern“. Vertrauen sei eben abhängig von der Vorbildfunktion der Personen des öffentlichen Lebens und steht und fällt mit dem jeweiligen Ausfüllen dieser Funktion. Der Aufbau von Vertrauen sei dabei wesentlich schwerer als derjenige von Kapital, weshalb Huber – Calvin zitierend – zu seinem Schlussfazit kommt: „Die weitaus klarste Regel ist also die: wir sollen von unserer Freiheit Gebrauch machen, wo es zur Auferbauung unseres Nächsten dienst; wenn es dem Nächsten aber nicht dazu dient, so sollen wir auf sie verzichten!“ (Inst. III, 19,12) – Das ist es, was Bischof Huber unter verantworteter Freiheit letztlich versteht. – Und hier schließt sich der Kreis wieder: Auferbauung des Nächsten durch den Gebrauch eigener Freiheit, das konnte man beim Bischof hören und auf der Pfingstwiese irgendwie auch ein bißchen erleben. 🙂

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