Feste Feiern

Eine der Kernkompetenzen unserer Gemeinde ist aus meiner Sicht (aber mit Sicherheit 😉 ) die Gabe der Gastfreundschaft und damit verbunden die Gabe, Feste zu Feiern bzw. feste zu Feiern. Zwar hören das manche schon garnicht mehr so gerne, wenn ich es immer wieder betone, aber es ist so. Und es war ein Grund für uns, als Pastorenfamilie genau hierher nach Bad Kreuznach zu kommen.

Nun lese ich gerade wieder mit sehr viel Gewinn für mich selbst das hochinteressante, bereichernde, weiterbringende, lesenswerte und deshalb empfehlenswerte Buch von Anselm Grün mit dem Titel „Im Zeitmaß der Mönche, Vom Umgang mit einem wertvollen Gut„. Er schreibt darin unter anderem im Abschnitt „Vom Rhythmus des Jahres und vom Zyklus der Feste“ (s. 71ff.) folgendes:

„Das Jahr ist von Festen durchbrochen, die der Zeit ein immer anderes Gepräge verleihen. … Die Feste erinnern die Menschen an die Urzeit, an die ursprünglich heilige Zeit und schenken ihnen Anteil daran. Die Feste sind wie eine Erneuerung der Zeit aus dem Ursprung heraus. Indem am Fest die heilige Zeit in unsere vergängliche Zeit einbricht, bekommt die verbrauchte Zeit wieder ihre Frische. Am Fest wird mitten in der Zeit das Ewige erfahrbar. Das Fest transzendiert den Alltag und gibt der Zeit, die ausgenutzt wird eine andere Qualität. … Feste sind ‚Räume, in denen der mensch aufatmet und alle Funktionalitäten unterbricht‘ (Garhammer). Feste sind heilige Zeiten.“ …

„Demokrit hat das Fest als Rasthaus auf dem Weg unseres Lebens verstanden: ‚Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Rasthäuser.‘ Feste unterbrechen die Eintönigkeit des Alltags. Unser Leben ist ein ständiges Unterwegssein. Doch wir können nicht immerzu wandern. Wir brauchen auf unserem Weg Rasthäuser, sonst ermüden wir. … Wir können unseren Weg nur dann freudig und beschwingt gehen, wenn wir wissen, dass uns auf dem Weg immer wieder eine Rast erwartet. Rast hat mit Ruhe zu tun. … Wir brauchen immer wieder ein Rasthaus, in das wir einkehren können, damit der Weg nicht zu beschwerlich wird und uns zur Umkehr zwingt. Kehren heißt: wenden, umwenden, verwandeln. Wer einkehrt, der geht verwandelt weiter. Feste sind eine Einkehr auf unserem Weg, damit wir verwandelt weitergehen können, anstatt zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen.“

Friedrich Schleiermacher hat einmal gesagt: Der Gottesdienst ist Fest. Dann ist die Kirche ein solches Rasthaus. Wie spannend, diesem Gedanken nachzugehen. Was wäre das für ein Fest, ihn auch im Gemeindeleben fruchtbar zu machen.

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