Glaube und Laubbüschel

Heute habe ich meine erste Predigt nach dem Urlaub und nach Dive Deeper (hatte ich schon erwähnt, dass das der ultimative Höhepunkt des Jahres war? 🙂 ) geschrieben zu dem o.g. Thema. Spannend. Zumal die Frage ist, ob die Frage mit dem Begriff „sollen“ auf dem Boden des Christentums überhaupt Sinn macht. Müßte sie nicht eher mit dem Verb „dürfen“ formuliert werden? „Wozu dürfen wir eigentlich glauben?“ – Ursprünglich hieß das Thema übrigens mal „Warum soll ich glauben?“ – Aber irgendwer meinte „Wozu“ wäre präziser – und dann eben die Frage mit dem „sollen“ oder „dürfen“. Na, egal…
In unserem Gemeindeunterricht steigen wir im Herbst genau mit diesem Thema ein: Glaube. Für viele Christen ist der Glaube ja etwas, das wir mit der Muttermilch aufsaugen. Im Urlaub sagte mir eine junge Ärztin, die ungefähr ihre ersten 10 Lebensjahre in der DDR aufgewachsen ist, dass man nur gläubig sein könnte, wenn man es von zuhause schon von klein auf mitbekommen hätte. Finde ich höchst fraglich… Ein anderer Freund aus unserem Dorf, der Naturwissenschaftler und Lehrer ist, glaubt nicht an Gott, weil er nach langem Ringen zu dem Ergebnis gekommen ist, dass es einen Gott nicht geben kann und die Schöpfung ein Zufallsprodukt der Evolution ist. Hatte mit ihm eine tolle Unterhaltung… Aber dennoch: Wozu sollen wir überhaupt glauben? Zumal, wenn es Leute gibt wie meinen Freund, der von völlig anderen Grundlagen ausgeht. Was würden wir ihm sagen?
Das deutsche Wort Glauben leitet sich ab von „vertraut, Vertrauen erwecken, vertraut machen“ und ist verwandt mit dem Begriff Laub – habe ich gelernt. Laub in der Bedeutung „Laubbüschel als Futter und Lockmittel für das Vieh“. Dann bedeutet das deutsche Wort Glaube etwas wie „zutraulich, handzahm, folgsam“.
Glaube hat also was mit Nahrung gemeinsam. Glaube ist Nahrung für die Seele. Kann man das sagen? Jedenfalls „funktioniert“ der Glaube ähnlich wie die Nahrungsaufnahme: er macht den inneren Menschen kräftig zum Leben. Der Glaube gibt Kraft und Energie zum Leben – zumindest für den inwendigen Menschen, für die Seele oder das Herz des Menschen. Und damit hat der Glaube – wie die Nahrungsaufnahme – auch den Aspekt der Dauerhaftigkeit: 24/7 – anders geht es nicht. Wer lange auf Nahrung verzichtet, verhungert. Wer lange auf gelebten Glauben verzichtet, verkümmert und verzweifelt. Glaube ist also – wie die Nahrungsaufnahme und ihre Folgen – Ereignis! Wichtig ist – wie bei der Nahrungsaufnahme auch -, dass wir ein ausgewogenes Verhältnis haben zum Essen und Trinken genauso wie zum Glauben. Es ist eben gerade nicht egal, was wir zu uns nehmen, was wir unserem Körper und unserer Seele zumuten.
Wie gut, dass wir als Christen einen Glauben an Gott haben, der sich uns in Christus offenbart hat und uns zu seinen Kindern gemacht hat. Wo in der Welt gibt es eine Glaubensrichtung, die diese Metapher auch kennt? Ich kenne keine…

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4 Gedanken zu „Glaube und Laubbüschel

  1. Hallo, rotegraefin!
    Das stimmt, der Glaube versetzt Berge. – Bei der Frage, wozu ich glauben soll, würde sich hier dann aber auch die Frage anschließen, weshalb der Glaube denn überhaupt Berge versetzen soll und welche Berge gemeint sind. Das müßte man einem dem christlichen Glauben nicht nahestehenden Menschen ja auch erklären. Was denkst Du dazu?
    Gruß, expetheo

  2. Danke expetheo, für Deine Antwort und Frage.

    Schau mal meinen Artikel: „Geistige Welt- materielle Welt“ an.
    Als Christen müssen wir unverwandt daran Glauben, dass Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen hat und zwar als Mann und als Frau.
    Desweiteren, dass Gott Mensch wurde und er uns seinen Odem einhauchte. Wir also mit jedem Atemzug Gottes Liebe und Zusage an uns zu uns reinholen und mit jedem Ausatmen, wir diese uns geschenkte Liebe an diese Welt, seine wunderbare Schöpfung zurückgeben, um Platz zu schaffen, um sie neu zu empfangen.
    Ich habe leider bei vielen Christen, den absoluten Unglauben entdeckt. Sie verbannen Gott in einen unerreichbaren erst nach dem Tod angeblich erreichbaren Himmel. Erst als ich mir klar machte, dass ich ja bete „zu uns komme Dein Reich“ sind bei mir die unüberwindbaren Berge des Zweifel und verzweifelns langsam dahin geschmolzen.

    Als ich mal mit einem Vetter, ein Priester, telefonierte wusste er nicht, wie er es Jugendlichen erklären könne, dass Gott existiert. Ich habe ihm geboten, er solle mal die Luft anhalten, wie lange er es aushalten könne. Er ist nicht auf die einfache Antwort gekommen, dass es sein Wille zum Leben ist, der ihn wieder einatmen lässt. Dass er mit diesem Willen zum Leben, mit dem lebendigen Gott eins ist, kommt mir gerade jetzt erst in den Sinn.
    Ohne Gott kann ich keinen Schnaufer tun. Kannst Du es? Wenn Du und ich es nicht können, kann es auch ein Atheist nicht. Also ist er mit Gott eins ob es ihm bewusst ist oder nicht. Ich muss ihm nichts klar machen, denn nicht wer Herr, Herr sagt, geht in das Himmelreich sondern wer den Willen des Vaters tut.
    Die Wahrheit macht uns doch frei. Für viele Christen ist diese einfache Wahrheit verloren gegangen und deswegen schmeißen die einen heute immer noch aus dem Paradies ihrer Vorstellung und glauben an die Idiotie, dass es Gottes Wille ist, wen Kinder sterben und verbieten einem den Kontakt zu einer Cousine, die ein nichteheliches Kind bekommen hat. Eine Diskussion wird unmöglich gemacht.

    Bei Atheisten habe ich nicht das Problem, ich glaube für sie mit das sie mit Gott eins sind und fertig ist für mich der Lack. Ich brauche ihnen nichts zu beweisen. Ich kann mich mit Ihnen dann leichter über pragmatische Lösungen in dieser verbesserungswürdigen Welt unterhalten. Ich werde allerdings bockig und stur wie ein Esel, wenn man an dieser meiner Glaubensvorstellung herumsäbelt und herummäkelt. Das kann im Tod nicht ausstehen, da kann ich mittlerweile fuchsteufelswild werden. Mir wurde nämlich mal in einem Kloster der Kontakt zu Gott abgesprochen, wenn ich wütend werde.
    Ich bin dann auch sehr nachtragend, wenn ich auf eine solche Weise verletzt werde. Weil ich diese Aufteilung in Gut und Böse für das größte Übel halte, muss ich mich schwer beherrschen, um nicht selber zu verdammen, weil das ja nur Neues Übel bringt.
    Also Du siehst eher an meiner Antwort, dass ich das umgekehrte Problem (Berg) habe. Wie mache ich es den frommen Leuten in der röm. Kirche klar? Oder sind diese alle verdammte Pharisäer? Was ist dann mit der Barmherzigkeit Gottes? Sind nicht diese Personen (Kreuzüge, Inquisition, Hexenverfolgung) auf ewig verdammt?
    Bei dem miesen Spiel steige ich aus und habe Gott gesagt: „Ich will in keinen Himmel kommen von dem ich weiß, dass es eine Hölle gibt.“
    Ich bin einfach nicht damit einverstanden, dass es eine Hölle geben soll. Was meinst Du dazu?

  3. Hallo, rotegraefin!
    Das sind spannende und harte Thesen. An eine Diskussion dieser Breite war von mir hier nicht gedacht. Aber es wäre sicherlich hilfreich, wenn Du Dich mal identifizierst. Kennen wir uns persönlich?
    Gruß, expetheo

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