Schlagwort-Archive: Religiöses/Spiritualität

“Abenteuer Glaube”


Ostergarten Bad Kreuznach 2013

Ostergarten Bad Kreuznach 2013


weihnachten 2011

Ruhig ist es geworden in den letzten Monaten – zumindest was das Bloggen angeht… Ansonsten war das Leben alles andere als ruhig, so kommt es mir vor. Aber heute, am Hl. Abend, merke ich, wie die Seele doch zur Ruhe kommt, und ich mich besinnen kann auf das, was sich ereignet hat – damals, im Stall von Bethlehem.

In diesem Jahr bewegen mich Gedanken über die Krippe – und das wird auch das Thema meiner Predigt im Rahmen unserer Christvesper sein. Die Krippe spielt besonders im Lukasevangelium eine besondere Rolle. Vermutlich spielt Lukas damit auf Jesaja 1,3 an – selbst Ochs und Esel begreifen besser, was es mit der Krippe und ihrem Inhalt auf sich hat – aber das Volk Gottes (und zu dem gehören ja auch alle Christen) begreift nix! So habe ich mich aufgemacht, begreifen zu wollen, was das Besondere daran ist, dass Gott zu seiner Geburt in eine Krippe gelegt wird.

Für Ochs und Esel ist es also klar: In der Krippe, da liegt das Futter für sie bereit. Sie müssen nur hinkommen und es sich holen.

Für uns Menschen sollte an diesem Bild klar werden: In der Krippe, da liegt unser Seelenfutter bereit – die Speise, die uns wirklich satt machen kann. Wir haben doch eigentlich alles, und doch schenken wir uns jedes Jahr noch mehr. Und trotz allem erleben wir das Gefühl von Mangel. Irgendetwas fehlt. Und das, was da fehlt, das finden wir zu Weihnachten in der Krippe – Futter für unsere Seele – Speise, die satt macht, Brot des Lebens für uns, der Kelch des Heils – all das liegt an Weihnachten in der Krippe für uns bereit.

Weihnachten wird deshalb nur dann unterm Baum entschieden, wenn dort die Krippe zu finden ist – ansonsten nicht! Denn in der Krippe liegt das größte Wunder der Weltgeschichte. Gott wird Mensch, wird klein. Beginnt ein Leben, wie wir es führen. Und er lebt uns dabei vor, wie wirkliches, echtes Leben aussehen kann. Nicht unbedingt leicht, aber lebenswert und sinnvoll. Und ganz nebenbei erlöst Gott die Welt auf diese Weise von ihrer Gottlosigkeit. An Weihnachten kommen Funken dieser Göttlichkeit in jedes Zimmer, in dem eine Krippe steht. Hoffe ich zumindest – für mich, und für jede/n die/der dies liest.

Gesegnete Weihnachten!


Feste Feiern

Eine der Kernkompetenzen unserer Gemeinde ist aus meiner Sicht (aber mit Sicherheit ;-) ) die Gabe der Gastfreundschaft und damit verbunden die Gabe, Feste zu Feiern bzw. feste zu Feiern. Zwar hören das manche schon garnicht mehr so gerne, wenn ich es immer wieder betone, aber es ist so. Und es war ein Grund für uns, als Pastorenfamilie genau hierher nach Bad Kreuznach zu kommen.

Nun lese ich gerade wieder mit sehr viel Gewinn für mich selbst das hochinteressante, bereichernde, weiterbringende, lesenswerte und deshalb empfehlenswerte Buch von Anselm Grün mit dem Titel “Im Zeitmaß der Mönche, Vom Umgang mit einem wertvollen Gut“. Er schreibt darin unter anderem im Abschnitt “Vom Rhythmus des Jahres und vom Zyklus der Feste” (s. 71ff.) folgendes:

“Das Jahr ist von Festen durchbrochen, die der Zeit ein immer anderes Gepräge verleihen. … Die Feste erinnern die Menschen an die Urzeit, an die ursprünglich heilige Zeit und schenken ihnen Anteil daran. Die Feste sind wie eine Erneuerung der Zeit aus dem Ursprung heraus. Indem am Fest die heilige Zeit in unsere vergängliche Zeit einbricht, bekommt die verbrauchte Zeit wieder ihre Frische. Am Fest wird mitten in der Zeit das Ewige erfahrbar. Das Fest transzendiert den Alltag und gibt der Zeit, die ausgenutzt wird eine andere Qualität. … Feste sind ‘Räume, in denen der mensch aufatmet und alle Funktionalitäten unterbricht’ (Garhammer). Feste sind heilige Zeiten.” …

“Demokrit hat das Fest als Rasthaus auf dem Weg unseres Lebens verstanden: ‘Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Rasthäuser.’ Feste unterbrechen die Eintönigkeit des Alltags. Unser Leben ist ein ständiges Unterwegssein. Doch wir können nicht immerzu wandern. Wir brauchen auf unserem Weg Rasthäuser, sonst ermüden wir. … Wir können unseren Weg nur dann freudig und beschwingt gehen, wenn wir wissen, dass uns auf dem Weg immer wieder eine Rast erwartet. Rast hat mit Ruhe zu tun. … Wir brauchen immer wieder ein Rasthaus, in das wir einkehren können, damit der Weg nicht zu beschwerlich wird und uns zur Umkehr zwingt. Kehren heißt: wenden, umwenden, verwandeln. Wer einkehrt, der geht verwandelt weiter. Feste sind eine Einkehr auf unserem Weg, damit wir verwandelt weitergehen können, anstatt zum Ausgangspunkt zurückkehren zu müssen.”

Friedrich Schleiermacher hat einmal gesagt: Der Gottesdienst ist Fest. Dann ist die Kirche ein solches Rasthaus. Wie spannend, diesem Gedanken nachzugehen. Was wäre das für ein Fest, ihn auch im Gemeindeleben fruchtbar zu machen.


“Gnade und Frieden”

Quelle: Angies Blog


“Kirchenverbesserung”?

Ein langer und heißer Tag geht zu Ende – mit viel Inhalt, vielen Gesprächen über multimediale Kanäle, hohen Temperaturen, netten Begegnungen, Zeit für die Familie (wenn auch wieder wenig), kurze Zeit zum Einkaufen – und dazwischen? “Im Auftrag des Herrn unterwegs” – wie es so schön heißt.

Heute habe ich mich bei Friedrich Schleiermacher über das Thema “Kirchenverbesserung” aufklären lassen. Was ist das eigentlich? Nun: In seiner Christlichen Sittenlehre hat er die Kirchenverbesserung (übrigens neben der Kirchenzucht – noch so ein toller Begriff) im Rahmen des “reinigenden und wiederherstellenden Handelns” (schon wieder so zwei Begriffe…).

Worum geht es? Es geht darum, dass die Kirche (oder wie wir Freikirchler sagen: Gemeinde) aufgrund ihres eigenen als unvollkommen zu bezeichnenden Zustandes eines reinigenden Handelns bedarf, das einmal von der Gemeinschaft ausgeht und auf den Einzelnen zielt (dann ist es Kirchenzucht), oder das vom Einzelnen auf die Gemeinschaft wirkt (das ist die Kirchenverbesserung).

Nun haben ja ziemlich viele Menschen in der Kirche Ideen zu deren Verbesserung. Ich natürlich auch! :-) Deshalb ist es aber so wichtig, zu sehen, wie so etwas sich dann auch gelingend vollziehen kann. Und da hat Schleiermacher eine geniale Idee (finde ich!): Alles Verändern beginnt bei einem selbst. Klingt einleuchten, nicht gerade neu, aber doch irgendwo genial. Wenn wir uns das mal klar machen, was das genau heißt… Veränderung beginnt bei mir – und nur bei mir.

Aber dann: Diese meine Überzeugung, dass sich an einigen Stellen – wohlgemerkt der Kirche, nicht an anderen Menschen – etwas ändern muss, soll in einem zweiten Schritt nun andere Einzelne erreichen. Dadurch wird eine Überzeugung also gewissermaßen salonfähig gemacht. Man redet miteinander. Bespricht die Dinge, die einen bewegen. Sucht gemeinsam nach Lösungsansätzen und Wegen. Klingt höchst spannend, würde ich sagen.

Um es abzukürzen: Die Überzeugung gewinnt am Ende soviel Raum, dass die Gesamtheit erreicht wird. Damit hört das reinigende Handeln durch Kirchenverbesserung dann auch schon auf. Wenn eine neue Überzeugung die Gesamtheit der Gemeinde ergriffen und erreicht hat, ist Schluss mit der Kirchenverbesserung – freilich bis zur nächsten Verbesserungsidee.

Bis hierhin kein Problem, oder? Jetzt aber kommt der Knackpunkt: Hinter allem Handeln steht das Vorbild Jesu Christi. Sein Handeln ist leitendes Vorbild für alles Handeln in der Kirche – also auch die “Verbesserung der Kirche”. Klingt eigentlich schön postmodern, wenn es nicht von Schleiermacher vor 200 Jahren geschrieben worden wäre.
Gemerkt habe ich mir, mit welchem Vers Schleiermacher das alles zusammenbringt: Epheser 4,15 mit seinem “wahrhaftigsein in der Liebe” – das ist die hohe Latte des Vorbildes Jesu, die auch unseren gegenseitigen Umgang prägen soll:

“Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.”

Wenn wir das schaffen, dann verbessern wir die Kirche (oder eben Gemeinde) definitiv.


Nicht in den Mauern besteht die Kirche

„Nicht in den Mauern besteht die Kirche, sondern in der Menge der Gläubigen. Siehe, wie viele feste Säulen da stehen, fest, nicht durch Eisen, sondern durch den Glauben. In der Kirche wird die Freude der Frohlockenden erhalten, in der Kirche verwandelt sich der Unmut in Luft, die Trauer in Fröhlichkeit, die Anstrengung in Ruhe, der Schweiß in Erholung.“
Johannes Chrysostomos


Rückführung auf das Kerngeschäft der Kirche

In unserer Gemeinde macht seit kurzem ein geflügeltes Wort die Runde: “Rückführung auf das Kerngeschäft der Kirche”. Darüber kann natürlich viel disktuiert werden: Was ist das Kerngeschäft der Kirche eigentlich? Reicht es, wenn wir uns dazu an Apg 2 orientieren? Wie sieht die ganze Sache aus, wenn wir Paulus hinzunehmen? Sind wir bei diesem Thema mitten drin in der Debatte, die rund um die Fragen nach einer postmodernen Kirche oder Kirche des 21. Jh. zu stellen sind?

Aus systematisch-theologischer Perspektive betrachtet sind mindestens drei Schritte unverzichtbar, um Antworten zu finden:

1. Begriffsklärung von “Kerngeschäft”

2. Begriffsklärung von “Rückführung”

3. Beschreibung des Phänomens “Rückführung auf das Kerngeschäft”

Na, dann mal los! :-)


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