Neugeburt

Sag nicht die Kerzen seien’s die die Stuben wärmen
sag nicht die lila Kugeln und das Engelshaar
die Wärme dieser Nacht die kommt von innen
und wo sie fehlt friert man das ganze Jahr

Ein altes Lied aus frühen Tagen weht etwas her
was die Nacht erhellt und jenen Traum aus Kindertagen
den suchst du auf der Reise um die Welt

an jener Krippe bist du ihm begegnet
dem Kind in dir
dem reinen Sein dem hellen Klang
sind’s auch der Kreuze viel gewesen
die standen deinen Weg entlang
das Licht gebiert sich jährlich neu
aus tiefster Nacht
und wenn’s dein Herz erwärmt
ist’s Kind in dir erwacht

Vera Lebert-Hinze

Tag der deutschen Einheit

Lieber Gott und Herr!
Setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.  Schenke uns und unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.  Bessere jene Beamte, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind, und lasse die, die rechtschaffen sind, auch Recht schaffen. Sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber wenn du es willst, noch nicht gleich.
(Gebet eines Pfarrers aus dem Jahre 1864)

Spatzen

1. Die Spatzen kaufen niemals ein, sie haben auch kein Geld. Sie sammeln keinen Vorrat an, der sie am Leben hält. Gott sorgt für sie, kennt alle Spatzen in der Welt. Und alle zwitschern, wie er will und wie es ihm gefällt.

2. Die Blumen wachsen ganz allein, und immer sind sie schön und fein, sie brauchen keinen Schneider. Gott sorgt für sie, kennt alle Blumen in der Welt. Und alle blühen, wie er will und wie es ihm gefällt.

3. So viele Menschen sind bedrückt, vor lauter Angst und Sorgen. Sie freun sich nicht, sie lachen nicht, sie denken nur an morgen. Gott sorgt für sie, kennt alle Menschen in der Welt. Herr, hilf uns leben, wie du willst und wie es dir gefällt.

Text: Hein Meurer

Rechte: Christophorus-Verlag (Freiburg) und Ernst Kaufmann Verlag (Lahr)

“Nix wie enunner” und der Bischof

In der letzten Woche fanden gleich zwei herausragende Ereignisse in Bad Kreuznach statt, die unterschiedlicher nicht sein konnten und doch in eigentümlicher Weise wieder auch irgendwie zusammenpaßten, betrachtet man sie beide nämlich vor dem Hintergrund der Ethik, die sich als Theorieunternehmen mit dem gemeinschaftlichen Handeln und insbesondere mit dessen Gelingen befaßt:

1. Zum einen war da der berühmte Kreuznacher Jahrmarkt, für den manch eingefleischtes “Kreuznacher Gässje” (so nennt man hier den Eingeborenen schlechthin) Urlaub nimmt, richtig viel Kohle anspart, um diese dann los zu werden, und: von dem das Gässje so begeistert und überzeugt zu sein scheint als DEM größten, was es gibt, dass es für es nichts Größeres gibt – für einen Schwaben in der Diaspora, der mit dem Cannstatter Wasen aufgewachsen ist, freilich ein Witz an und für sich. :-)

Egal: Meinen Töchtern hat es sichtlich gefallen und auch mir – wenn ich leider auch feststellen mußte, dass der Lärmpegel und die Hitze von über 30°C nicht mehr so ganz mein Fall sind. Aber normalerweise – also, wenn ich keine Kinder im Kleinkindalter hätte – würde ich ja auch erst “nix wie ennuner” gehen, wenn die Sonne untergegangen ist…

2. Das zweite herausragende Ereignis war dann der Vortrag von Bischof Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber über “Freiheit und Verantwortung – Unternehmerisches Handeln in christlicher Perspektive”. Nach den üblichen Ehrungen (und übrigens vor einem unsäglichen und unerträglichen Schlusswort!) kam dieser vor einem erlesenen und mit Polit- und Wirtschaftsprominenz gut bestückten Publikum schnell zu Wort und und analysierte zunächst die Situation der Wirtschaftskrise derzeit, um dann Verantwortung und Freiheit bzw. “verantwortete Freiheit” als die oberste Maxime allen wirtschaftsethischen Handelns darzustellen. Harmonie, Disziplin, Zusammenspiel und Demut seien die Schlagworte, mit denen ein vernünftiges Ethikkonzept einherzugehen habe.

Ein einem zweiten Schritt stellte Huber die Frage, was bzw. welche Werte den notwendigen Prozeß des Wandels tragen. Hier insitierte Bischof Huber insbesondere auf die Vorbildfunktion von Personen mit herausragender Verantwortung, sprich: Personen des öffentlichen Lebens wie Manager, Politiker, Führende in Wirtschaftsunternehmen aber auch Kirchen. Eine “klare ethische Grundhaltung gehört zur professionellen Grundausstattung” dieser Vorbilder, so Huber. Und so sei die Bedeutung der 10 Gebote gerade in dieser Zeit neu hervorzuheben und stark zu machen.

In einem dritten Schritt entfaltete der Vortrag dann den Aspekt des “Vertrauen erneuern”. Vertrauen sei eben abhängig von der Vorbildfunktion der Personen des öffentlichen Lebens und steht und fällt mit dem jeweiligen Ausfüllen dieser Funktion. Der Aufbau von Vertrauen sei dabei wesentlich schwerer als derjenige von Kapital, weshalb Huber – Calvin zitierend – zu seinem Schlussfazit kommt: “Die weitaus klarste Regel ist also die: wir sollen von unserer Freiheit Gebrauch machen, wo es zur Auferbauung unseres Nächsten dienst; wenn es dem Nächsten aber nicht dazu dient, so sollen wir auf sie verzichten!” (Inst. III, 19,12) – Das ist es, was Bischof Huber unter verantworteter Freiheit letztlich versteht. – Und hier schließt sich der Kreis wieder: Auferbauung des Nächsten durch den Gebrauch eigener Freiheit, das konnte man beim Bischof hören und auf der Pfingstwiese irgendwie auch ein bißchen erleben. :-)

Nichts ist unmöglich 1 – Schneeflöckchen

Es waren ein Bär und ein Biber sehr eng miteinander befreundet. So etwas kommt vor. Unter den Tieren ist es meist nicht so streng geregelt wie unter den Menschen. Oft, wenn sie beieinander saßen, dann redeten sie über alles mögliche. Und ein ums andere Mal redeten sie auch darüber, wie sie sich die Welt wünschten, in der sie gerne leben würden, was alles geschehen müsste, dass sich alle Tiere und Wesen auf der Welt wohlfühlen könnten. Sie träumten und philosophierten, bis nach einer Weile der Bär tief aufseufzte:”Achja, wir wüssten schon was zu tun wäre, aber ich – ich bin ja nur ein einfacher Bär, was kann ich da schon bewirken?”

Und dann wurden sie sehr still.

Eines schönen Wintertages, so ein Abend nach einem Tag mit sehr sehr viel Schnee und Kälte, da saßen die beiden Freunde wieder dicht nebeneinander und gerade hatte der Bär tief aufgeseufzt, als der kleine Biber zu erzählen begann.

“Heute vormittag saß ich auf einem Baumstamm und weil ich nichts anderes vorhatte, beobachtete ich die Schneeflocken beim Fallen. Ich begann die Schneeflocken zu zählen, die sich ganz sanft und leise auf einem dicken alten Ast niederließen. Ich zählte den ganzen Vormittag. Gegen Mittag geschah es:
Es waren bereits Neun Millionen 372 Tausend 411 Schneeflocken lautlos auf den Ast gefallen. Da schwebte in tiefem Schweigen die Neun Millionste 372 Tausendste vierhundertzwölfte Schneeflocke heran. Sie wog exakt etwas weniger als ein Nichts und ließ sich sachte, sachte auf und neben den anderen nieder. Auf einmal knackte es im Ast, knarrte und knirschte und dann brach er ab und fiel zu Boden. Und es war wieder still.”

“Wahrscheinlich”, sagte der Bär nach einer Weile, “wusste die Schneeflocke nicht einmal, was sie bewirken könnte.”

Und der kleine Biber nickte bedächtig.

Wär uns der Himmel immer so nah

Wär uns der Himmel immer so nah
und unsre Arme immer so offen,
fänden viele sicher die Kraft,
wieder zu hoffen.

Wär’n unsre Herzen immer so weit,
und lernten wir, in Frieden zu leben,
fänden viele sicher die Kraft,
nicht aufzugeben.

Das Glück braucht keine bunten Schleifen
und Liebe keine Jahreszeit.
Wir könnten täglich nach den Sternen greifen,
sie sind nicht so weit.

Der Lichterglanz muss nicht verblassen,
auch wenn die Kerzen bald verglühn.
Dann wären Gold und Silber mehr als Farben,
die vorüberziehn.